Viernheim

Bildung Seminar „Kräuterreise durch die Jahrhunderte“ mit Historikerin Annick Benz beim Internationalen Frauencafé / Theoretischer und praktischer Teil

Auf den Spuren Hildegard von Bingens

Archivartikel

Viernheim.Schon in der Steinzeit haben sich Menschen Kräuter zunutze gemacht. Und aus dem Alten Ägypten, gibt es bereits aus der Zeit um 3300 vor Christus Aufzeichnungen, die Heilkräuter und deren Wirkungen beschreiben.

Das erklärte die Viernheimer Historikerin Annick Benz bei ihrer Einführung zu dem vom Internationalen Frauencafé organisierten Seminar „Kräuterreise durch die Jahrhunderte“. 20 Frauen hatten sich dazu bei hohen Temperaturen im Garten des Heimatmuseums versammelt. In Teams aufgeteilt stellten sie jeweils eine Heilsalbe, eine Gemüse-Kräuter-Paste und Salbei-Bonbons für den Eigenbedarf her.

Benz sprach über die spannende Geschichte der Nutzung von Kräutern. Die Alten Ägypter legten Pflanzen auf heiße Steine und inhalierten die Dämpfe bei Atemwegsbeschwerden. Später veröffentlichten die Griechen viele medizinische Werke, in denen sie die heilende Wirkung von Kräutern beschrieben. Von den Römern ist bekannt, dass sie nach Gelagen Verdauungsprobleme mit Kräutern behandelten. Sie legten Plantagen an, anstatt die Kräuter in der Natur zu sammeln.

Die Blütezeit der Nutzung von Kräutern war aber das Mittelalter: Berühmt wurde das Lorscher Arzneibuch aus dem Jahr 794, das als Beginn der Klostermedizin unter Karl dem Großen gewertet wird. Karl verfügte, dass bei jeder seiner Pfalzen ein Kräutergarten anzulegen sei.

Exemplarisch für das mittelalterliche Wissen um Kräuter steht die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179). Sie wurde insbesondere bekannt durch ihre Aufzeichnungen über Heilmethoden, die sie nach eigener Aussage durch „göttliche Visionen“ erfahren hatte. Hildegard beschreibt die Heilkraft von Pflanzen, Steinen oder auch normaler Nahrung. Ihre Aufzeichnungen waren Grundlage für eine neue Volksmedizin.

„Kräuterfrauen“ halfen in Hildegards Nachfolge vielen Menschen bei gesundheitlichen Beschwerden. Sie wurden durch Apotheker abgelöst, die ihre Medizin ebenfalls aus Kräutern herstellten. Nachdem die Pharmazie einen großen Aufschwung genommen hatte, geriet die Wirkung von Kräutern allmählich in Vergessenheit. Erst durch das Aufkommen der „New Age“-Bewegung sind die Wirkungen von pflanzlichen Stoffen wieder in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt.

Für den praktischen Teil des Seminars hatte Benz Zutaten wie Estragon, Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Salbei, Gelbe Rüben und Sellerie sowie verschiedene Öle mitgebracht. Viele fleißige Hände begannen nun, zu schnippeln und zu rühren.

Ätherische Öle

Eine Würzpaste nach Hildegard von Bingen eignet sich besonders für Suppen und Salate oder zur Zubereitung von Joghurtdips und Kräuterquarks. Die Heilsalbe aus Olivenöl, Walnussöl, Bienenwachs, Kakaobutter, Lemongrass und Bergamotte wirkt besonders durch ihre ätherischen Öle bei Hautbeschwerden. Zur Herstellung der Salbeibonbons wurde erst einmal Würfelzucker in einer Pfanne geschmolzen. Die Masse verrührten die Teilnehmerinnen dann mit Salbeiblättern und getrocknetem Salbei und ließen sie anschließend erkalten.

Teilnehmerin Agnes Stinner fand die gemeinschaftliche Arbeit „lustig und interessant“. Sie war nach eigener Aussage aus Interesse an einem naturnahen Leben zu dem Seminar gekommen: „Durch die eigenhändige Herstellung hat man einen viel engeren Bezug zu den Pflanzen.“ Beim nächsten Termin des Frauencafés am 25. September wird sich die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Viernheim, Maria Lauxen-Ulbrich, vorstellen.

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