Viernheim

Kulturscheune „Sterne der Musik“ mit Jeanette Pitkevica (Geige), Gulnora Alimova (Flügel) und Nikolaus Friedrich (Klarinette) verzaubern die Zuhörer

Außergewöhnliches Klangerlebnis

Archivartikel

Viernheim.Claude Debussys (1862 bis 1918) Vorstellung von Musik war revolutionär. Er entwickelte einen Stil, der die Musikgeschichte verändern sollte. Als Zauberer der Klangfarben sollte er in die Geschichte eingehen. Viele seiner Zeitgenossen jedoch verstanden ihn nicht. Nun jährt sich sein Todestag zum 100. Mal – so jedenfalls heißt es auf der Homepage von BR-Klassik.

In Paris erlebt Debussy 1889 die Weltausstellung. Sie sollte seine Musik stark beeinflussen. Hier hört Debussy zum ersten Mal Musik aus Spanien und dem Fernen Osten. Das Exotische fasziniert ihn sofort. Anklänge an diese Musik finden sich immer wieder in Debussys Werken. Er setzt die Musik mit Farben gleich. Die verschiedenen Farben kann Debussy nun auch miteinander kombinieren und mischen.

Kunstverständiges Publikum

Mit ihrem Konzert „Sterne der Musik“ – dem ersten von vier in der Reihe von Jeanette Pitkevica der Saison 2018/2019 – ging es der begnadeten Geigerin darum, Beispiele herausragender Wendepunkte der Musikgeschichte dem kunstverständigen Viernheimer Publikum vorzuführen. Neben Debussys Sonate für Violine und Klavier (g-Moll, 1917) hatte sie Max Regers (1873 bis 1916) Sonate für Klarinette und Klavier (fis- Moll) sowie das Werk „Gesangsstück“ eines der prägenden Komponisten der Gegenwart, Wolfgang Michael Rihm, (*1952), für dieses Konzert ausgesucht.

Debussy und Reger stehen für die zwei großen Richtungen der Musikentwicklung, welche sich nach der Hochromantik (Johannes Brahms 1833 - 1897) in einen französischen Zweig und einen deutschen Zweig aufgeteilt hatten.

Bei Debussys Sonate (bestehend aus drei Sätzen – im Unterschied zu der deutschen Richtung, welche bei der klassischen Sonatenhauptsatzform mit vier Sätzen blieb), wurde Jeanette Pitkevica von der in Taschkent (Usbekistan) geborenen und aufgewachsenen preisgekrönten Pianistin Gulnora Alimova, welche seit 2009 als Dozentin für an der Musikhochschule Mannheim tätig ist, begleitet.

Bei der Uraufführung im Mai 1917 saß Debussy selbst am Klavier - schon stark von seiner Krebskrankheit gekennzeichnet. Von Musikexperten wird besonders die geniale Lösung des Balanceproblems zwischen Violine und Klavier hervorgehoben. Der französische Kammermusikexperte Harry Halbereich rückte das Werk aufgrund seiner genialen Klangqualitäten gar in eine Reihe der Sonaten von Mozart und Brahms.

Max Reger, der auch schon einmal sagte, dass er schon wieder an einem neuen Verbrechen gegen Harmonie und Kontrapunkt arbeite, komponierte seine Sonate für Klarinette und Klavier (fis-Moll, op. 49 Nr. 2) im Jahr 1900. Er hinterließ ein Oeuvre mit mehr als 1000 Werken, mit deren chromatisch-harmonischer Fülle und barocker Formsprache er zum „Vollender der chromatischen Polyphonie“ wurde. Als Partner von Gulnora Alimova konnte Jeanette Pitkevica den seit 1984 am Mannheimer Nationaltheater als Soloklarinettist tätigen Nikolaus Friedrich gewinnen. Einen besonderen Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildet die intensive Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Musik.

Alle drei Künstler vereint waren dann bei Wolfgang Michael Rihms „Gesangsstück“ – Eine Trio-Phantasie für Klarinette, Violine und Klavier aus dem Jahr 2002. Nikolaus Friedrich nannte Rihm denjenigen lebenden deutschen Komponisten mit dem größten Renommee und führte mit einigen Beispielpassagen in das melodische und romantische Wesen des Stückes ein: „So romantisch kann also heutige Musik sein“.

Es gelang den drei Musikern, durch ihr emotionales und virtuoses Spiel, dass sich das Publikum in der Kulturscheune tatsächlich gedanklich ganz in der Musik Rihms verlor.

Dem enthusiastischen Applaus geschuldet, spielten die drei Ausnahmemusiker dann noch die Suite op. 157 b von Darius Milhaud (1892 bis 1974).

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