Viernheim

Mobilität Bürgermeister kritisiert aktuelle Förderrichtlinien des Landes Hessen für Verleihsysteme / Brief an Umweltministerin Priska Hinz

Baaß will Umstieg aufs Rad forcieren

Viernheim.In Bensheim, Bürstadt, Heppenheim und Lampertheim gibt es bereits entsprechende Angebote, bald könnte Viernheim nachziehen: Bürgermeister Matthias Baaß möchte ein öffentliches Fahrradverleihsystem einführen. Erste Stationen könnten am Rathaus, am Forum der Senioren, am Bürgerhaus und bei den Stadtwerken entstehen, erklärt das Stadtoberhaupt im Gespräch mit dieser Redaktion.

Als Nutzer hat der Bürgermeister dabei zunächst die Mitarbeiter „der Stadt und der städtischen Betriebe“ im Blick. Für Dienstfahrten stehen im Rathaus zwar bereits jetzt sechs normale Fahrräder und ein Lastenfahrrad zur Verfügung. Mit einem neuen System würden aber mehr Beschäftigte aufs Rad umsteigen, hofft Baaß, auch für den Weg zur Arbeit. Außerdem soll das Angebot allen Bürgern offenstehen. „Man könnte mit rund 30 Fahrrädern beginnen und das Projekt abhängig von der Nachfrage weiter ausbauen“, schlägt Baaß vor. Weitere Stationen könnten dann zum Beispiel an den Haltestellen der OEG entstehen, damit die Bürger bequem von der Straßenbahn auf das Fahrrad umsteigen können.

Ein großes Hindernis bei der Umsetzung des Projekts stellt im Moment aber noch die Finanzierung dar. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz würde nach Angaben des Bürgermeisters für ein solches Projekt zwar eine Förderung von bis zu 90 Prozent ermöglichen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Kommune das entsprechende System selbst aufbaut und betreibt sowie alle notwendigen Investitionen tätigt. Baaß erklärt: „Das kann die Stadt nicht leisten. Wir müssten ja zum Beispiel selbst ein Bauunternehmen beauftragen. Und allein der Betrieb einer Station würde im Jahr mehrere Tausend Euro kosten.“

Know-How fehlt

Mangels „Know-How“ überfordert wäre aber nicht nur Viernheim, sagt der Bürgermeister. Nach Auskunft der Landesenergieagentur gebe es noch keine Kommune in Hessen, die bereit gewesen wäre, ein eigenes Fahrradverleihsystem aufzubauen. Auch die eingangs genannten Städte im Kreis Bergstraße haben einen anderen Weg gewählt. Sie beteiligen sich an dem System, das der Verkehrsverbund Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Nextbike betreibt. 19 Kommunen in der Region nutzen dieses Angebot bereits. Die an einem Ort ausgeliehenen Fahrräder können dabei auch in anderen Städten zurückgegeben werden. „Es wäre sehr viel sinnvoller, sich daran zu beteiligen, als mit einem eigenen System zu versuchen, eine Konkurrenz zu VRN und Nextbike zu schaffen“, erklärt Baaß.

Teil des ÖPNV

Für ein System, das zusammen mit einem großen professionellen Dienstleister aufgebaut wird, gebe es jedoch keine Förderung vom Land, so Baaß. Deswegen hat er einen Brief an die hessische Umweltministerin Priska Hinz geschrieben. Darin regt er an, die Regelung so zu verändern, „dass die Inanspruchnahme eines Dienstleisters gefördert werden kann“. Davon würden letztlich auch andere Kommunen profitieren, die die Bedingungen für die momentan mögliche Förderung nicht erfüllen können. Baaß schlägt daneben eine Verknüpfung mit dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen vor, „da Fahrradverleihsysteme als Bestandteil des ÖPNV zu sehen sind“.

Sofern die Finanzierung zustande kommt, wäre ein Projekt mit dem VRN wohl relativ einfach umzusetzen. Wie ein Sprecher auf Anfrage erklärt, vergeht meist nur etwa ein halbes Jahr zwischen den entsprechenden Beschlüssen der städtischen Gremien und der Inbetriebnahme des Systems.

Grundsätzlich müssten nur Flächen zur Verfügung gestellt und ein Vertrag mit finanziellen Regelungen unterschrieben werden. Dessen Laufzeit betrage in der Regel fünf Jahre. Zur Höhe der möglichen Kosten machte der VRN-Sprecher auf Anfrage keine Angaben. Auch eine Sprecherin des Unternehmens Nextbike wollte sich „aus Wettbewerbsgründen“ nicht zu den Anschaffungs- und Betriebskosten von Fahrrädern oder Stationen äußern.

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