Viernheim

Gedenken Stadt unterstützt Sanierung des jüdischen Friedhofs Hemsbach mit 10 000 Euro

Bäume gefährden Gräber

Archivartikel

Viernheim.Die Stadt Viernheim beteiligt sich an der Sanierung des jüdischen Friedhofs in Hemsbach. Dieser ist seit mehr als 300 Jahren letzte Ruhe- und Gedenkstätte für Juden aus verschiedenen Gemeinden der Region, darunter auch Viernheim. Mit mehr als 1000 Gräbern gilt der Hemsbacher Friedhof laut einer Pressemitteilung der Viernheimer Verwaltung als einer der größten erhaltenen jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg.

Trockenheit und Stürme haben in den vergangenen Jahren jedoch schwere Schäden verursacht. Die Stadt Hemsbach muss nun auf dem Gelände 300 Bäume, darunter 144 besonders stark windbruchgefährdete Eschen, fällen lassen. Sonst würden diese in Herbst- und Winterstürmen weiteren Schaden anrichten. Momentan ist der Friedhof aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Ungünstige Geländeverhältnisse sowie der geringe Abstand zwischen den einzelnen Grabsteinen erschweren jedoch die notwendigen Arbeiten. Laut der Pressemitteilung fallen dafür Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro an. Die Hemsbacher Stadtverwaltung hat beim Land Baden-Württemberg bereits einen Zuschuss beantragt, der Verein „Ehemalige Synagoge Hemsbach“ spendet außerdem 10 000 Euro. Hemsbach bittet aber darüber hinaus die umliegenden Kommunen um eine Spende. Daher hat der Viernheimer Magistrat beschlossen, die anstehende Sanierung mit 10 000 Euro zu bezuschussen.

Bürgermeister Matthias Baaß verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Reichspogromnacht, in der am 9. November 1938 die Ausschreitungen gegen Juden ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. „Der jüdische Friedhof in Hemsbach ist ein einzigartiger Gedenkort jüdischer Geschichte und jüdischer Schicksale.“ Alle Juden, die in Viernheim wohnten, seien dort begraben worden, sofern sie nicht in ein Konzentrationslager kamen. Erstmals erwähnt wurde der Friedhof laut der städtischen Pressemitteilung im Jahr 1678. Eine jüdische Gemeinde aus Viernheim schloss sich 1716 mit jüdischen Glaubensgemeinschaften aus Dossenheim, Feudenheim, Großsachsen, Hemsbach, Ilvesheim, Ladenburg, Laudenbach, Lampertheim, Leutershausen, Lützelsachsen, Schriesheim und Weinheim zusammen und gründete mit ihnen eine sogenannte „Begräbnisbruderschaft“. Diese finanzierte in der seinerzeit kleinen Landgemeinde Hemsbach den jüdischen Friedhof zur gemeinsamen Nutzung.

Antrag abgelehnt

1868 stellte die jüdische Gemeinschaft Viernheims einen Antrag auf kostenlose Überlassung von Gelände, um einen eigenen Friedhof zu errichten. Der Antrag wurde vom damaligen Gemeinderat abgelehnt. Andere jüdische Gemeinden eröffneten später aber eigene Friedhöfe. Daher nutzten seit Beginn des 20. Jahrhunderts neben Viernheim nur noch fünf andere Gemeinden den Hemsbacher Friedhof. Die letzten Beerdigungen wurden 1940 kurz vor der Deportation der Juden aus Baden vorgenommen.

1993 ließ die Stadt Hemsbach eine Dokumentation erstellen, in der alle lesbaren Grabsteine erfasst und einige Inschriften aus dem Hebräischen übersetzt wurden. Für die Zeit zwischen 1873 und 1940 wurden dabei 71 Personen aus Viernheim nachgewiesen. red

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