Viernheim

Bannholgraben II – eine verfehlte Planung

Zu den aktuellen Diskussionen im Osten der Stadt

Das nach dem Willen der städtischen Verwaltung und der großen Mehrheit der Viernheimer Stadtverordneten gewünschte neue Baugebiet Bannholzgraben II ist nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf direktem Weg, eine Fehlplanung zu werden – und dies leider in mehrfacher Hinsicht: Zunächst möchten wir anmerken, dass alle Appelle des Bundes und der Länder zu einer sehr restriktiven Baulandpolitik nun auch in Viernheim, wie derzeit überall in der Region, ignoriert werden.

Laut dem in 2017 erstellten „Stadtentwicklungskonzept 2030“ kann sich „nach Vermarktung der Grundstücke des Baugebiets Bannholzgraben II von 5,3 ha die Bebauung der 13,8 Hektar großen Arrondierungsfläche Nordweststadt anschließen“. Der BUND bedauert diese sehr kurzsichtige Bauplanung und Politik, die keine ernsthafte Rücksicht auf die Landschaft, die Natur, die Landwirtschaft und auf eine lokale Herstellung von Nahrungsmitteln nimmt.

Die Stadt Viernheim schließt sich damit der in der gesamten Region üblichen, ungehemmten Umwidmung von Ackerland zu Bauland an und verbraucht heute große Flächen, die erst an unsere Kinder oder deren Kinder vererbt werden sollten. Die nahe bei Viernheim liegenden großen Baugebiete durch dort aufgegebene US-Liegenschaften werden aus enger, lokaler Sicht nicht hinreichend berücksichtigt. Bauland auf der „grünen Wiese“ anzubieten ist sicherlich einfacher als das mühsamere Geschäft einer aktiv betriebenen Innenstadtentwicklung.

Der Anreiz innerstädtische Baulücken zu schließen, verwahrloste Wohnungen zu sanieren oder abrisswürdige Häuser durch Neubauten zu ersetzen, wird damit wesentlich gemindert. Nur in Einzelfällen hat die Stadt bisher versucht, brachliegende Grundstücke oder unbewohnte Häuser aufzukaufen beziehungsweise zu vermitteln, um den innerörtlichen Wohnungsbau zu beleben, wobei hier nicht ein nur einstöckiger Häuserbau in den Gärten gemeint ist, sondern ein Bauen in die Höhe mit noch verträglichen Geschosszahlen und Gebäudehöhen.

Zu den uns bisher bekannten Planungsunterlagen und den Diskussionen über die Erschließung des Baugebiets ist folgendes zu sagen:

Die in der Begründung der Verwaltung zum Bebauungsplan enthaltene Skizze zeigt, dass ein großer Teil der verfügbaren Fläche mit 19 Einfamilienhäusern bebaut werden soll. Wir sehen darin eine Flächenverschwendung, die nur wenigen Menschen neuen Wohnraum bieten wird. Bauherren, die ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus bauen wollen, dürften sehr wahrscheinlich hinreichende finanzielle Mitteln zur Verfügung stehen, um innerörtlich oder auch bei Mannheim einen Bauplatz zu erwerben.

Der vorgesehene Flächenverbrauch durch Stellplätze ist zu groß. Die Städte der Zukunft benötigen weniger Parkplätze, da den Menschen in den nächsten Jahren neue, attraktive Angebote einer alternativen Mobilität zur Verfügung stehen werden (Carsharing; Pedelecs etc.).

Die Verkehrserschließung des Gebiets sollte keinesfalls über den Alten Weinheimer Weg oder den Wiesenweg erfolgen, da der dann notwendige Straßenneubau neben negativen ökologischen Folgen (auf Naherholung und Tiere) einen ganz wesentlichen, weiteren Landverbrauch zur Folge hat. Die Verkehrserschließung darf daher nur über die Diana-Weißmann-Allee und den Michael-Ende-Weg erfolgen.

Zuletzt weist der BUND noch darauf hin, dass das neue Baugebiet südöstlich an eine bei der Bannholzgrabenbebauung neu angelegte, mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte ökologische Ausgleichsfläche angrenzt. Diese Fläche wird durch zusätzliche menschliche und tierische (Hunde und Katzen) Einflüsse erheblich in ihrem Wert gemindert. Durch einen kleinen Grünstreifen kann leider keine wirkungsvolle Abschirmwirkung und kein Schutz der Ausgleichsfläche erreicht werden.

BUND Viernheim, Peter Dresen,

Erster Vorsitzender

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