Viernheim

AMS Theatergruppe Comic On! thematisiert Einflüsse sozialer Netzwerke auf Jugendliche

Ben gerät in Bedrängnis

Viernheim.Schminktutorial, Produkttests, Fitnesstipps und Onlinegaming – täglich gibt es hunderttausende Einträge auf Instagram oder Facebook, die sich Jugendliche anschauen. Wer immer online ist, Trends folgt, Klicks und Likes sammelt, läuft aber auch Gefahr, sich zu verlieren.

Im Theaterstück „#werbinich?“ greift die Theatergruppe „Comic On!“ aus Köln auf, welchen Einfluss soziale Netzwerke auf Jugendliche haben. „Wir beschäftigen uns täglich mit Instagram, WhatsApp, Facebook und Co. und wollen mit dem Stück zeigen, welche Neben- und Auswirkungen die sozialen Medien haben“, sagt Anne Knapp von der Sparkassenstiftung, die das Präventionstheater an der Albertus-Magnus-Schule (AMS) finanziert. Am Donnerstag gastiert die Theatergruppe an der Friedrich-Fröbel-Schule.

Im Mittelpunkt des kurzen Stücks stehen zwei Zehntklässlerinnen. Marie und Lara posieren im Partnerlook für ein Video auf dem gemeinsamen Instagram-Kanal und planen übertrieben aufgesetzt mit den Smartphones das Wochenende. Wäre da nicht das Referat, das sie mit Außenseiter Ben, der nicht mal WhatsApp hat, vorbereiten müssen. Die Achtklässler erkennen sich im Gehabe der Bühnendarsteller wieder – typisches Posieren für Selfies, Sprachnachrichten ins Handy quatschen, spezielle Ausdrücke in den sozialen Netzwerken gebrauchen. In Zwischenszenen finden sich Marie und Lara bei der Polizei wieder, die sie nach Ben fragt. Die AMS-Schüler ahnen da, dass sich die oberflächliche Handy-Kommunikation alles andere als harmlos entwickelt. Die drei Klassenkameraden bereiten ihr Referat zu den Geschwistern Scholl vor. „Ich guck bei Wikipedia“, sagt Marie, „ich google“, wirft Lara ein und Ben steckt seine Nase eben in echte Bücher.

Enorme Reichweite

Die Flugblattaktion der Weißen Rose erstaunt die Mädchen. „Das ging bis nach Amerika, ganz ohne Internet.“ Ben ermuntert Marie zur eigenen Meinung: „Mit Instagram hat man doch enorme Reichweite und kann seine Meinungen und Botschaften verbreiten.“ Der seltsame Ben wird Marie sympathisch, doch Lara bleibt zurückhaltend – immerhin gibt es da das Gerücht, dass Ben Urin getrunken habe und „Mister Piss“ ist. Tatsächlich, so verrät Ben, stimme die Geschichte, er sei von Älteren gezwungen worden und habe sich seitdem so zurückgezogen.

Marie begleitet Ben zu einem Konzert und belügt dafür ihre Freundin. Doch der Schwindel fliegt – natürlich durch Bilder in den sozialen Medien – auf. Lara schickt gekränkt die Flunker-Nachricht von Marie, in der sie Ben als „Mister Piss“ bezeichnet, in die Klassengruppe.

Der Chat eskaliert: Die Mitschüler beschimpfen Ben, es reicht bis zu Morddrohungen. Die letzte Einstellung zeigt die Mädchen wieder bei der Polizei: „Ben ist seit vier Tagen nicht zuhause gewesen.“ Das Ende bleibt offen.

Nach dem Stück suchen die Schauspieler Robin, Anne und Julia das Gespräch mit den Schülern. Das Ausufern in der WhatsApp-Klassenstufe schätzen die AMSeln als realistisch ein. Die Mehrheit der Schüler räumt sogar ein, solche Hasstiraden aus eigener Erfahrung zu kennen. Sie überlegen, wer die Schuld trägt an Robins Verschwinden – und da wird klar, dass es mit Internet und sozialen Medien und all ihren Möglichkeiten nicht einfach ist, die Schuld bei einem Einzigen zu suchen.

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