Viernheim

Glauben Forum der Religionen erläutert jüdisches Wallfahrtsfest im Detail

Besondere Speisen und Riten beim Pessach

viernheim.Vom 20. April bis zum 27. April wird in diesem Jahr das jüdische Hochfest Pessach gefeiert. „Es ist eines der drei wichtigen Wallfahrtsfeste, das im jüdischen Frühlingsmonat Nisan begangen wird“, sagt der Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Viernheim, Mykhaylo Kotlyarsky. Als Mitglied im Viernheimer Forum der Religionen erläutert er die Hintergründe. Das mehrtägige Fest erinnere an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei, erläutert Kotlyarsky. Für die Juden gelte Pessach als Beleg für ihre besondere Verbindung zu Gott, da er mit den zehn biblischen Plagen entscheidend in die Geschichte ihres Volkes eingegriffen habe.

Zum Pessach wird am ersten Abend nach einem Synagogenbesuch traditionell die Sederfeier begangen. Am Seder-Abend trifft sich die Familie zu einem festlichen Essen mit symbolischen Speisen. An jedem Platz am Tisch liegt eine Haggada, ein reich bebildertes Büchlein mit den Erzählungen aus der jüdischen Geschichte.

Bitternis der Sklaverei

Die Speisen des Seder-Abends haben laut Kotlyarsky symbolische Bedeutung: So erinnert ein Knochen mit etwas gebratenem Fleisch an das Schlachten eines Lammes am Abend des Auszugs aus Ägypten. Bittere Kräuter (Salat oder Meerrettich) erinnern an die Bitternis der Sklaverei, das Salzwasser an die vergossenen Tränen und das Fruchtmus steht für den Lehm, aus dem die Israeliten Ziegel herstellen mussten. Drei Mazzot oder „Erdfrüchte“ wie Radieschen oder Sellerie symbolisieren die drei Urväter Abraham, Isaak und Jakob. Während der gesamten Pessachzeit isst man nichts „Gesäuertes“, wie es heißt, keinen „Chametz“: Gemeint ist neben Sauerteig alles, was gehen muss oder quillt: etwa Nudeln, Brot, oder Kekse. Denn die Israeliten mussten einst mitten in der Nacht plötzlich fliehen. Es blieb keine Zeit, das Brot fertig zu backen. So nahmen sie es noch ungesäuert mit auf die Flucht.

Diese halb fertigen Brote heißen Mazzen (Maza, Matzen). Sie erinnern Juden während der Pessachzeit an die Flucht aus Ägypten. Mazzen sind damit auch ein Symbol für Selbstlosigkeit und Bescheidenheit. Auch zu trinken gibt es reichlich, vier Gläser Wein müssen im Lauf des Abends getrunken werden, so will es die Tradition. „Jeder Jude, der Pessach feiert, soll sich so erachten, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen“, sagt Kotlyarsky. Gemäß der Haggada (Erzählung) hat jede Generation ihren Auszug aus Ägypten – durch die Jahrhunderte hindurch sind immer wieder Juden unterdrückt worden. gna

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