Viernheim

Gericht Viernheimer bekommt zehn Monate auf Bewährung

Bilder zeigen Gräueltaten an Kindern

Archivartikel

Viernheim.Eine umfangreiche Sammlung von Dateien mit kinderpornografischem Inhalt haben Beamte des Landeskriminalamts untersucht. Die rund 8800 Fotos und mehr als 700 Videos hatte ein knapp 30 Jahre alter Mann aus Viernheim auf einem PC und einem Tabletcomputer gehortet. Gestern wurde er wegen des Besitzes und wegen eines Falls der Verbreitung des Datenmaterials am Lampertheimer Amtsgericht zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Der Mann gibt an, noch immer unter dem Dach seiner Eltern zu wohnen. Ihnen zahle er 150 Euro im Monat dafür, verdiene gut und arbeite gerne. Damals aber habe er unter beruflichem Stress gelitten und im Schichtbetrieb gearbeitet. Soziale Kontakte habe er in dieser Zeit kaum gehabt. So versucht er dem Gericht zu erklären, was ihn dazu bewog, die umfangreiche Datensammlung anzulegen. In einschlägigen Chats und in einer Tauschbörse sei er an das Material gelangt, das laut Anklage den Missbrauch zahlreicher Minderjähriger im Kleinkindalter zeigt. Fahnder kamen ihm im Jahr 2016 auf die Schliche, wegen der langwierigen Auswertung der Daten durch die Kriminalbeamten konnte erst jetzt die Verhandlung beginnen.

Staatsanwältin glaubt ihm nicht

Der Viernheimer gibt an, in der Vergangenheit Beziehungen zu Frauen gehabt zu haben. Derzeit sei er Single. Er bestreitet im Strafprozess sogar, sich die Dateien angesehen zu haben, das entspreche nicht seinen Neigungen. Die Staatsanwältin lässt keinen Zweifel daran, dass sie dem keinen Glauben schenkt. „Jemand mit fast 9000 Bildern macht das nicht aus Stress, da gibt es nichts zu deuteln“, sagt sie entschieden.

Sie fordert im Schlussplädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Außerdem seien die beiden Computer einzuziehen und eine Therapie anzuordnen. Die Verteidigerin des Mannes betont, dass er ein Ersttäter und inzwischen sozial gefestigt sei. Eine Wiederholungsgefahr könne sie nicht erkennen. Im Plädoyer beantragt die Rechtsanwältin eine Strafe von sieben Monaten zur Bewährung.

Ob er noch etwas sagen wolle? Der Angeklagte senkt den Kopf und blickt nach unten, wo er auf dem Tisch mit ineinander verschränkten Fingern nervös die Hände knetet. Dann sagt er mit leiser Stimme: „Es tut mir wirklich sehr leid, dass es so weit gekommen ist. Dass ich das gemacht habe.“

Die Richterin folgt im Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Der Mann wird zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Seine Geräte werden eingezogen, eine Buße von 5000 Euro ist an die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zu zahlen.

Sexualtherapie auf eigene Kosten

Zudem ordnet das Gericht eine Sexualtherapie an, für die der Mann die Kosten selbst zu tragen hat. Ein Bewährungshelfer wird ihm zur Seite gestellt. Die Staatsanwältin wird ihm nach der Verhandlung raten, sich für fachkundige Hilfe an eine der großen Uni-Kliniken mit einer Therapieabteilung zu wenden. Er solle sich dringend helfen lassen.

In ihrer Urteilsbegründung sagt die Richterin: „Es muss hier was passieren, dass nichts Schlimmeres passiert.“ Die Verurteilung ist bereits rechtskräftig, da alle Seiten nach dem Urteil erklärt haben, auf Rechtsmittel zu verzichten.

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