Viernheim

Gartenpflege Nabu Hessen mahnt zu privatem Verzicht auf Glyphosat / Umweltfreundliche Tipps gegen Schädlinge und Pilze

Brennnessel als Wundermittel

Archivartikel

Viernheim.Als „wahrscheinlich krebserregend“ stufte die Weltgesundheitsorganisation WHO schon 2015 das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ein. Bundesagrarministerin Julia Klöckner rechnet jedoch erst im Jahr 2022 mit einem Verbot des Herbizids auf europäischem Boden. Der Protest in der Bevölkerung war jedes Mal groß, wenn die Zulassung des Pflanzengiftes verlängert wurde. Wie aus einer Mitteilung des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hervorgeht, kommen jedes Jahr trotzdem rund 6000 Tonnen Glyphosat allein in privaten Gärten zum Einsatz.

„Dabei geht es auch ohne“, sagt Günther Hagemeister im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“. Die Artenvielfalt im Garten oder auf dem Balkon lasse sich am besten ohne Gift beim Gärtnern genießen, so der Vorsitzende des Nabu Heppenheim, der auch für Viernheim zuständig ist. „Wer sich zu Hause an Bienen, Schmetterlingen und Blumen erfreuen möchte, der verzichtet auf das Spritzen von Glyphosat und anderem Gift aus Bau- und Gartenmärkten“, macht auch der Nabu-Vorsitzende in Hessen, Gerhard Eppler, deutlich. „Mit den Giften werden nicht nur unliebsame Gäste getötet, sondern auch nützliche Insekten“, erklärt der Biologe.

Kostenlos aber wirksam

Denn Wildpflanzen wie Brennnessel, Löwenzahn und Taubnessel, sind für viele Insekten wichtig, werden beim Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat jedoch mitvernichtet. „Wer einen lebendigen Garten haben will, greift besser auf die Trickkiste der Natur als auf den Giftschrank zurück. Das schützt die Insekten und mit ihnen auch Tiere wie Vögel, Igel, Fledermäuse und Eidechsen“, betont Hagemeister.

Die Natur bietet eine Fülle wirksamer Mittel – und das dazu noch meist gratis. Jauche aus Brennnesseln kann zum Beispiel als Dünger und ein Aufguss der Pflanze zum Bekämpfen von Blattläusen eingesetzt werden, heißt es in der Mitteilung des Nabu. Die Zellwände von Pflanzen lassen sich etwa mit der im Schachtelhalm enthaltenen Kieselsäure stärken, indem man aus der Pflanze einen Tee aufkocht und geschwächte Kulturen damit besprüht. „Das macht Gemüse stark gegen Blattläuse, Pilze und andere Schädlinge“, verrät Hagemeister. Bei geringem Schädlingsbefall sollte der Hobbygärtner am besten aber erstmal abwarten. „Denn wer seinen Pflanzen ausreichend Zeit gibt, sich selbst gegen Schädlinge, Pilze oder Krankheiten zu wehren, wird fast immer mit gesunden und kräftigen Gewächsen belohnt“, weiß Hagemeister.

Auch Standort, Boden und Lichtverhältnisse entscheiden darüber, ob eine Pflanze gegen Schädlinge gut gewappnet ist. Pilze haben kaum eine Chance, wenn der Boden an die Bedürfnisse der Pflanze angepasst ist, die Blätter genug Licht bekommen und nach Regen schnell wieder trocknen können. Deshalb sei es auch wichtig, so Hagemeister, „nicht am Abend den Garten zu bewässern, sondern am Morgen, damit die Sonne die Blätter wieder trocknen kann und Pilzen die Grundlage entzogen wird“. Zudem sei ein ausreichender Abstand zwischen den Pflanzen wichtig, was eine Verbreitung der Schädlinge behindert, schreibt der Nabu in der Mitteilung.

„Die Mischkultur ist eine jahrtausendelang erprobte Methode, um Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten und die Pflanzen optimal mit Nährstoffen zu versorgen“, sagt Hagemeister. So gedeihen Erdbeeren gut neben Knoblauch, Kartoffeln neben dicken Bohnen und Möhren stehen gern neben Lauch.

Auf seiner Internetseite hält der Nabu noch weitere Tipps für Hobbygärtner bereit und zeigt, wie jeder etwas für die Tier- und Pflanzenwelt tun kann. Denn von biologischen Pflanzenschutzmitteln profitiert die Vielfalt im Garten enorm.

Info: Weitere Tipps unter nabu.de/umwelt-und-ressourcen

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