Viernheim

AWO Großer Andrang bei Vortrag von Joachim Bauer

Chancen durch „Spiegel-Neuronen“

Viernheim.In der Vortragsreihe des AWO Familienzentrums Kirschenstraße konnte mit Professor Joachim Bauer ein bekannter, Gast gefunden werden. Bauer beschäftigt sich als Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut in zahlreichen Büchern mit den Erkenntnissen der Hirnforschung und zeigt die Verbindungen zu pädagogischen Handlungen auf. Was können Eltern, ErzieherInnen und Lehrkräfte von der Hirnforschung lernen, um Kinder und Jugendliche zu verstehen, zu erreichen und zu motivieren? 220 Zuhörer im ausverkauften kleinen Saal des Bürgerhauses bekamen die Antworten mit einer gesunden Portion Humor.

Zu den faszinierenden Entdeckungen der Hirnforschung gehören laut Bauer die Entdeckung von Nervenzell-Systemen, die es dem Menschen nicht nur ermöglichen, sich in andere einzufühlen, sondern auch andere „anstecken“ zu können. Diese Spiegel-Neuronen biete Pädagogen weitreichende, oft aber nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten.

Jugendliche einfach zu motivieren

Eltern und Pädagogen, die ein Kind oder einen Jugendlichen spüren lassen, dass sie sich bemühen, ihn oder sie zu verstehen, lassen diesen spüren, dass sie ihn in einem tieferen, übertragenen Sinne „sehen“: Kinder und Jugendliche, die gesehen werden, erleben eine Aktivierung ihrer sogenannten Motivationssysteme. Einem Kind oder Jugendlichen empathisch entgegenzutreten heiße jedoch nicht, dieses Kind oder diesen Jugendlichen zu verwöhnen, auch nicht, ihm jeden Kaufwunsch zu erfüllen oder jeden Unsinn zu gestatten. Sondern es bedeute, aus einer fürsorglichen Haltung heraus, die wirklichen, auch langfristig richtigen Bedürfnisse des jungen Menschen zu erkennen und das zu tun, was seiner Entwicklung dient. Damit sei das Potenzial der Spiegel-Neuronen jedoch noch nicht erschöpft.

Durch die Sprache und unsere Körpersprache bringen wir andere in „Resonanz“. Sprache und Körpersprache von Pädagogen können Präsenz ausstrahlen, Interesse am Stoff, Anstrengungsbereitschaft und Leidenschaft wecken. Kinder und Jugendliche seien aus neurobiologischer Sicht auf soziale Akzeptanz, auf Zuwendung und Zugehörigkeit ausgerichtete Wesen, erklärte Bauer. Immer mehr junge Menschen treibe dieses Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit jedoch in die virtuellen Räume des Internets, was per se nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten müsse, was allerdings auch erkläre, warum ein nicht geringer Teil von Jugendlichen inzwischen suchtartig an den Bildschirm gebunden ist.

Bauer appellierte in diesem Zusammenhang an die Eltern ein waches Auge darauf zu haben, was und wie häufig ihre Kinder am Computer spielen und wie stark sie sich auf die sozialen Netzwerke einlassen. „Das größte Geschenk, was sie ihren Kindern machen können ist Zeit“, lautete die Botschaft, die sich durch den ganzen Abend zog, „um soziale Ausgrenzung und Fehlentwicklungen zu vermeiden.“ red/bur

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