Viernheim

Friedrich-Fröbel-Schule Weimarer Kultur-Express führt vor Schülern Theaterstück „Fremde Heimat“ über Flucht und Integration auf

Daniel verliert besten Freund bei einem Angriff

Archivartikel

Viernheim.„16 Quadratmeter – das hatten wir früher zu viert…“ staunt der junge Daniel über sein erstes eigenes Zimmer. Zusammen mit Marie richtet er sein neues Zuhause ein - und denkt dabei über seine Erfahrungen als Flüchtling aus Syrien nach. Die Geschichte von Daniel und seiner deutschen Freundin Marie wird im Theaterstück „Fremde Heimat“ erzählt, das der Weimarer Kultur-Express vor den Jahrgangsstufen sieben bis neun der Friedrich-Fröbel-Schule aufführt.

Die Schüler erfahren dabei, welche Ursachen es für eine Flucht gibt und mit welchen Vorurteilen die Flüchtlinge, aber auch die Menschen in der neuen fremden Heimat umgehen müssen. Daniel und Marie erinnern sich an ihre erste Begegnung – der junge Flüchtling, der kaum Deutsch kann, steht mit dem Smartphone im Einkaufszentrum, in dem Marie gerade viel zu teure Schuhe im Schaufenster bewundert.

„Bestimmt geklaut!“, kommentiert Marie das Handy in Daniels Hand, der sofort verneint, er hat es aus seiner alten Heimat. „Ich brauche das Smartphone mehr als etwas zum Essen“ beteuert er. Eindrucksvoll schildert er, dass das Handy sein Kontakt zu Fluchthelfern, zu Schleusern und zur Familie in Syrien ist. „Ohne Warnung per Handy wäre mein Vater gefangen oder tot“, fasst er die Angst um seine Familie in Worte, die bedroht und verfolgt wurde, die Angst um ihr Leben hatte. Es ist eine beklemmende Stimmung in der Sporthalle der FFS, als der Flüchtling sich erinnert, wie er seinen besten Freund bei einem Angriff verlor. „Aber hier, hier hab ich keine Angst mehr“, ist Daniel froh, in einer neuen Heimat zu sein. Marie, die sich ihrer anfänglichen Vorurteile gegenüber dem jungen Syrer schämt, gibt zu, dass sie dennoch Angst hat: vor Männern mit Bärten in dunklen Gewändern, vor ausländischen Namen, vor einem herrenlosen Koffer am Flughafen. „Man schaut nur auf die schwarzen Schafe“, hat sie gemerkt, dass eben alle verdächtigt werden, wenn nur einer etwas anstellt. Über ihre Angst hilft ihr die Arbeit mit den Flüchtlingen und vor allem der Kontakt mit Daniel hinweg – was zum Streit mit den Eltern führt. Dabei sind diese selbst Kinder von Vertriebenen.

Fluchtgeschichten fast identisch

„1945 ist lange weg“, wischt der Vater den Einwand beiseite. Dabei sind die Fluchtgeschichten fast identisch – parallel erzählt Daniel seine und Marie die Geschichte ihrer Großmutter. Man hat das Notwendigste gepackt, sitzt in Wägen und Zügen und auf Pferden, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Wer die beschwerliche Tour nicht überlebt, wird einfach zurückgelassen. Mit Schiff und Boot geht es übers Meer, bis in ein anderes Land, in dem man erstmal untergebracht wird.

„Endlich Deutschland“, heißt es oft erst Monate und Jahre später. Doch für viele Flüchtlinge ist die neue Heimat kein Paradies. Daniels Geschichte geht weiter, er wartet darauf, seinen Asylantrag stellen zu können. Während seine Eltern und seine Schwester eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, wird sein Antrag abgelehnt. „Wir haben so ein Glück, dass wir hier und heute leben, ohne Krieg und ohne Hunger“ gaben die beiden Schauspieler den Fröbelschülern mit auf den Weg ins gemeinsame Abschlussgespräch über Fremdenhass, Integration und eigene Erfahrungen.

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