Viernheim

Neujahrsempfang Justizministerin Christine Lambrecht hebt Bedeutung der Gleichstellung für die Demokratie hervor / Bürgermeister Matthias Baaß blickt auf 2019 zurück

„Das Frauenbüro war revolutionär“

Viernheim.„Wir legen die Hoffnung nicht auf ein kleines Löwenbaby, sondern auf ein kleines Buch, auf unser Grundgesetz“. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht griff das Lied „Der ewige Kreis“, das der Frauenchor zur Eröffnung des Neujahrsempfangs der Stadt Viernheim sang, in ihrer Ansprache auf: Während beim „König der Löwen“ der neugeborene Löwe für das Gleichgewicht unter den Tieren sorgen soll, ist die Gleichberechtigung in Deutschland im Grundgesetz verankert.

Bürgermeister Matthias Baaß mit Ehefrau Simone, Erster Stadtrat Bastian Kempf und Stadtverordnetenvorsteher Norbert Schübeler begrüßten die Besucher am Eingang zum Bürgerhaus-Saal und wünschten Politikern, Vereinsvorständen, Fastnachtern, Vertretern von Kirche, Schulen, Kindergärten, sozialen Einrichtungen und Hilfsdiensten und allen Bürgern ein gutes neues Jahr 2020. 70 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes stand die Gleichberechtigung im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs, zumal das Viernheimer Gleichstellungsbüro sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Erlaubnis des Mannes

„Ich bin erschrocken, als ich als junge Frau in einer alten Ausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuchs geblättert habe“, erzählte Ministerin Lambrecht, die Ehrengast in ihrer Heimatstadt war. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätten Frauen für viele alltägliche Angelegenheiten die Erlaubnis ihres Mannes gebraucht. „Heute ist das unvorstellbar, weil die Gleichberechtigung von Mann und Frau inzwischen selbstverständlich ist“, sagte die Ministerin. Möglich wurde das durch den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz – fünf Worte, die das Ergebnis einer langen Diskussion waren und die dem Einsatz von vier Frauen zu verdanken sind.

Den „Müttern des Grundgesetzes“ ist eine Ausstellung gewidmet, die im Bürgerhaus aufgebaut war und die in den nächsten Wochen in Viernheim zu sehen ist. „Sie soll nicht nur ein Blick in die Vergangenheit ermöglichen, sondern ist auch ein Aufruf, sich in unserer Demokratie zu engagieren“, warb Lambrecht für den Besuch der Ausstellung. Als Kommune habe Viernheim vor 30 Jahren begonnen, sich um die Gleichberechtigung und Gleichstellung zu kümmern. „Das Frauenbüro war schon revolutionär, da haben nicht alle Hurra geschrien“, erinnerte sich die frühere Stadtverordnete an die Skepsis der Parlamentarier.

Doch 30 Jahre später gibt der Erfolg dem heutigen Gleichstellungsbüro Recht – Frauentreffs, Sprechstunden, Nachtfahrdienst nannte die Ministerin als Beispiel für die erfolgreiche Arbeit von Rita Walraven-Bernau und Maria Lauxen-Ulbrich. „Von voller Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt“, erklärte Lambrecht und verwies auf die niedrige Frauenquote in der Politik oder der freien Wirtschaft. „Immerhin haben wir eine Bundeskanzlerin und auch die erste Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens“, fuhr Lambrecht fort. „Frauen haben die Macht, Frauen haben Verstand, Frauen sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“, sang der Frauenchor, frei nach Herbert Grönemeyers männlicher Originalversion, passend zur Ansprache der Bundesministerin.

Den Frauenchor, nannte Bürgermeister Matthias Baaß als gutes Beispiel dafür, wie man etwas Neues wagen kann. Auf 2019 blickt der Bürgermeister mit einer Bilderpräsentation zurück. So sei die Einweihung des neuen Polizeigebäude wichtig gewesen. „Die Polizei weiß mehr über die Viernheimer, als Sie alle ahnen“, bat Baaß darum, jede auch noch so gering erscheinende Straftat zu melden.

Herausragend war laut Baaß die neue Partnerschaft mit der polnischen Stadt Mlawa. Als Angebote für die Viernheimer Bürger habe die Verwaltung die Homepage der Stadt neu aufgelegt und Informationen in der Bürger-App hinterlegt. Und es gibt das Büro für Neugezogene, das Baaß als Anlaufstelle vorstellte: „1800 Menschen kommen pro Jahr nach Viernheim, aus der Pfalz und aus Norddeutschland genauso wie aus Syrien oder Afghanistan.“

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