Viernheim

Kultur Yvonne Weber hält einen Vortrag über Peggy Guggenheim / Letzter Auftritt dieser Reihe im Kunstraum Gerdi Gutperle

Das Leben der Kunst gewidmet

Viernheim.Die Kunsthistorikerin Yvonne Weber beendete ihre Vortragsreihe im Kunstraum Gerdi Gutperle mit einem Porträt der berühmten Kunstsammlerin Peggy Guggenheim. Die 1898 geborene Amerikanerin aus der jüdischen Einwandererfamilie Seligmann-Guggenheim mit europäischen Wurzeln wurde schon in jungen Jahren eine außergewöhnliche Kunstsammlerin. Mit einem kleinen Erbe aus ihrer wohlhabenden Familie wurde sie selbstständig und erfüllte sich mit einem Aufenthalt in Europa ihren Traum.

Ständige Bleibe wurde Paris, wo sie im Kreis bedeutender Künstler die wilden 1920er Jahre genoss. Mit dem Kauf von Bildern unterstützte sie die Künstler ihrer Zeit und rebellierte damit gegen die gesellschaftlichen Normen, berichtete Weber. Guggenheim habe immer Angst gehabt, sie sei nicht schön genug. Um ihrer Schönheit nachzuhelfen, unterzog sie sich einer Nasenoperation. Als sie wieder einmal ein Fotograf ablichten wollte, habe sie ihm empfohlen, ihre Beine zu fotografieren: Die seien noch sehr schön.

"Sie sammelt nicht nur Kunst, sie sammelt auch Künstler", wurde sie damals beschrieben. Mit zwei Ehen und einer Reihe von Affären liest sich noch heute die Liste von Freunden und Bekannten "wie ein Adressbuch der Avantgardekünstler des 20. Jahrhunderts." Aber auch Trauer nach Todesfällen - ihrer Mutter, einer Tochter und ihres Vaters, der beim Untergang der "Titanic" ums Leben kam - prägten ihr Leben.

Im Gegensatz zu der meist tristen Ausstattung der Galerien schuf Peggy Guggenheim völlig neue attraktive Galerien, wofür sogar eigene Möbel hergestellt wurden. Es blieb nicht nur bei den Aktivitäten in Paris. Gegen ihre Pläne, in London auszustellen, gab es Protest, weil unter den Exponaten auch Nackt-Ansichten waren. Trotz oder gerade wegen der Proteste wurde ihre Ausstellung ein großer Erfolg.

Bilder mit Tüchern getarnt

Damit erschloss sie für französische Künstler den britischen Markt. Unvergessen bleiben ihre Verdienste bei den Bemühungen, die Bilder und Skulpturen vor dem Zugriff und der Vernichtung nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu schützen. Als sie die Kunstwerke dem Louvre als Leihgabe überlassen wollte, lehnten die Verantwortlichen ab. Ihre Bilder sowie die Bilder jüdischer Künstler, die nach Amerika fliehen mussten, tarnte Peggy Guggenheim, in Tücher verpackt, als Haushaltsgegenstände.

Als Bilder wären sie nicht versandt worden. Für die Bilder ihrer Pariser Galerie fand sie doch einen sicheren Platz, um sie nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht vor den Nazis zu schützen, die ihre abstrakten Motive wahrscheinlich als "entartete Kunst" vernichtet hätten. Nach Kriegsende ist mit der Einladung zur Biennale in Venedig die berühmt gewordene "Collection Guggenheim" entstanden. Der Palazzo am Canale Grande hat internationales Format wie die Guggenheim-Präsentationen in New York, London und Paris.

Dazu hat Peggy Guggenheim den Grundstein gelegt. Sie war wohl die erste Frau im Kreis der Mäzene und die Erste, die der Kunst ein Zuhause gab. Von ihrer Sammlerleidenschaft haben auch viele Galerien und Museen in Deutschland profitiert. Sie starb im Alter von 80 Jahren am 23. Dezember 1979. Die Museen und Galerien der Guggenheim- Gruppe werden von ihrem Sohn und weiteren Verwandten in ihrem Geist weitergeführt.

Gerdi Gutperle hieß die Gäste eingangs herzlich willkommen und lud sie ein, noch einmal ihre Jahresausstellung "Garten Eden" zu besichtigen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Umwelt- und Klimaschutz seien die Botschaften der Ausstellung zum Erhalt der Natur besonders aktuell.

Sie dankte Yvonne Weber für ihre Vorträge. Alle Freunde des Hauses hoffen, dass die Kunsthistorikerin wieder nach Viernheim kommt. Gutperle lud zu weiteren Vorträgen ein: Am 13. Dezember spricht Bettina Broxtermann um 19 Uhr unter dem Titel "Gaukler, Quacksalber und Scharlatane" über die Zahnmedizin im Spiegel der Kunst. Am 16. Januar ist Jürgen Bayer zu Gast. Er hat "Garten Eden und die Bewusstseinswerdung des Menschen" als Thema.

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