Viernheim

Das System für die Innenstadt der Zukunft?

„Leitersystem startet zum Jahreswechsel“, „SHM“ vom 14. September

Die Leiter kommt! Wieder einmal wird versucht, mit den Methoden von vorgestern die Probleme von heute zu lösen, und man denkt, damit gut in die Zukunft zu kommen. Nach der Beschlussvorlage des zuständigen Ausschusses wird dann alles besser: der Verkehrsfluss, die Verkehrssicherheit, insbesondere für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer, die Parkraumsituation sowie die uneingeschränkte Zufahrtsmöglichkeit für Rettungsfahrzeuge.

Nach einer Bürgerversammlung mit reichlich Gegenwind und wohl mehreren Ortsbegehungen mit den Anwohnern hat sich der ursprüngliche Vorschlag des Stadtrats nicht wirklich verändert. Wozu waren doch gleich die Bürger eingebunden? Um ihre Kritik dann doch zu übergehen?

Schlecht für Verkehrssicherheit

Die Verkehrssicherheit und der Verkehrsfluss sollen also besser werden, wenn die Autos in den betroffenen Straßen nur noch in eine Richtung fahren. Da mit Gegenverkehr nicht mehr zu rechnen ist, kann man schneller fahren. Gut für den Verkehrsfluss, aber schlecht für die Verkehrssicherheit. Und was soll sich an der Parkraumsituation verbessern durch ein System von Einbahnstraßen? Entsteht durch die Neuregelung ein einziger Parkplatz mehr?

Schadstoffe nehmen zu

Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Gerade. In Viernheim ist es die Leiter. Der Verkehr und die ausgestoßenen Schadstoffe werden zwangsläufig zunehmen, denn um dann nach Hause kommen oder von zu Hause loszufahren, nimmt man nun zwangläufig den Umweg durch die Nachbarschaft. Bisher wohnen wir halbwegs ruhig, das wird sich vermutlich ändern. Dafür können wir erleben, wer denn so in den Nachbarstraßen wohnt – die kommen dann ja regelmäßig bei uns vorbei. Und wir bei ihnen. Das wird sich also verschlechtern. Für alle Anwohner. Dafür tragen alle Bürger Viernheims dann die Kosten. Apropos Kosten: Was kostet der Spaß eigentlich? Im Beschlussvorschlag steht dazu nichts. Ist vielleicht besser so.

Die Verbesserung der „uneingeschränkten Zufahrtsmöglichkeiten für Rettungsfahrzeuge“ klingt prima. Aber waren diese bisher nicht gewährleistet? Hat die Stadtverwaltung die Bürger die letzten Jahre sehenden Auges gefährdet und hier nichts getan? Wenn Kreuzungen so zugeparkt werden, dass die Rettungsfahrzeuge nicht um die Ecke kommen, muss gehandelt werden. Wer damit aber argumentiert, um seine Leiter zu verwirklichen, gibt zu, in der Vergangenheit nicht das Notwendige getan zu haben.

Es werden Probleme gelöst, die gar keine sind und dabei gleich ein paar neue aufgeworfen. Gleichzeitig werden die Bürger mit einer Schein-Beteiligung genarrt. Von einer Idee für die Zukunft, einer Vision für die Stadt, von einer Verbesserung der Lebensqualität, von Ideen für das Zusammenleben in der Stadt für die Zukunft sehe ich nur wenig. Haben wir eigentlich keine anderen Probleme? Früher haben wir mal daran gearbeitet Brundtlandstadt zu werden. Seitdem ruhen wir uns darauf aus. Schade, dass da nicht mehr geht!

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