Viernheim

Offener Brief Wilhelm Künne fordert Kompromissbereitschaft

Denkanstöße für den Klimaschutz

Viernheim.Wilhelm Künne hat eine differenzierte Meinung in der Debatte zum Klimawandel. Er macht sich Sorgen um die Zukunft der jungen Generation und begrüßt deren Engagement, mahnt aber gleichzeitig, „durch die Aktionen von Greta Thunberg nicht in Panik zu geraten, so wie sie das gerne hätte“. Das schrieb er in einem Brief, den er nach dem Sternmarsch der Friedrich-Fröbel-Schule und der Rede von Nina Martin (wir berichteten) bei der Ausstellungseröffnung im Kunsthaus verteilte. Mit dem Ziel, den Jugendlichen „ein paar Denkanstöße zu geben“, um „akzeptable Lösungen“ zur Eindämmung des Klimawandels zu finden. Als Basis für die Diskussion im Interview hier nun sein gekürzter Brief:

„Liebe Klima- und Umweltschützer! Die Klimaerwärmung ist real. Es wird jedoch darüber gestritten, wie weit sie menschengemacht und ob CO2 ihr alleiniger Verursacher ist. Mit einem Anteil von rund zwei Prozent am weltweiten CO2-Ausstoß ist die Erderwärmung durch deutsche CO2-Reduktion nicht zu verhindern. Entwicklungsländer wie China und Indien haben einen Nachholbedarf beim Wohlstand, gleichzeitig wächst deren Bevölkerung, was zu einem Anstieg des CO2-Ausstoßes führt. Industrieländer wie die USA und Russland zeigen gar keine Anzeichen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern.

Unsere Maßnahmen im Klima- und Umweltschutz waren bisher nicht erfolgreich und erfordern die Akzeptanz der Wähler. Wir haben durch die bisherige Energiewende die höchsten Stromkosten für Haushalte und die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast der Welt. In Zukunft kommen weitere gewaltige Kosten dazu, etwa durch CO2-Steuer, den Umbau der Energieerzeugung auf Wind- und Solarkraft – die auch als Ersatz der klimaneutralen Atomkraftwerke herhalten müssen – die Gewährleistung der Netzstabilität durch Stromspeicherung sowie durch den Um- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Wenn wir als Vorreiter im Klimaschutz ein erfolgloses Beispiel mit Wohlstandseinbußen geben, folgt uns niemand. Wir allein retten die Welt nicht! Unser Land ist arm an Ressourcen. Um in der globalisierten Welt unseren Lebensstandard nur zu halten, benötigen wir ein exzellentes Ausbildungssystem, schulisch, beruflich, universitär und berufsbegleitend. Wir sind angewiesen auf verantwortungsbewusste, engagierte Lehrer und Schüler. Unsere Handwerks-, Industrie- und Dienstleistungsbetriebe stehen im internationalen Wettbewerb und sind Basis unseres Wohlstands. Übertriebene und ineffiziente Klima- und Umweltziele vertreiben sie ins Ausland. Stattdessen ist Anerkennung für Geleistetes als Anreiz erforderlich.

Wir müssen Augenmaß bewahren und zu Kompromissen bereit sein. Wir benötigen realisierbare und akzeptable Lösungen. Belastungen und ineffiziente Verbote, die vor allem den ärmeren Teil der Bevölkerung treffen, sind wenig hilfreich. Jeder Einzelne sollte verantwortungsvoll und freiwillig auf das verzichten, was er nicht benötigt und keine anderen bevormunden. Ich bin für ein freiheitliches, demokratisches Land. Die Freiheit des Einzelnen sollte wegen vermeintlich drohender Krisen durch den Staat nicht unverhältnismäßig eingeschränkt werden. Verkehrsblockaden durch Gruppen wie Extinction Rebellion mit ,zivilem Ungehorsam für ein höheres Ziel‘ zu legitimieren, ist kriminell.“

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