Viernheim

Gesundheit Vortragsreihe des St.-Josef-Krankenhauses

Der Blinddarm, das unbekannte Wesen

Viernheim.In der Vortragsreihe des St.-Josef-Krankenhauses informieren Ärzte aus den verschiedenen Behandlungsbereichen über besondere Krankheiten und Beschwerden, um das Publikum auf die Bedeutung der Möglichkeit ärztlicher Hilfe hinzuweisen.

Der aktuelle Vortrag von Dr. med. Martin Wehrle räumte mit der weit verbreiteten Meinung auf, die Blinddarmentzündung sei eine Allerweltskrankheit und die Operation sei ärztliche Routine. Dr. Wehrle überraschte die Zuhörer mit "Hundert Gesichtern der Appendizitis", mit vielen verschiedenen Formen einer solchen Entzündung, bei der die Diagnose sehr schwer und verantwortungsvoll sei, weil bei der dringenden Notwendigkeit einer Operation nur knapp vier Stunden Zeit bleiben.

Bereits frühe Forschungen

Da früher viele Menschen an einer Blinddarmentzündung sterben mussten, haben Mediziner schon früh nach Möglichkeiten einer Hilfe gesucht. Einer dieser Forscher war Leonardo da Vinci (um 1500), der die Entzündung als eine "Seitenkrankheit" bezeichnete. Die erste Dokumentation dieser Bemühungen stammt von einem englischen Hofarzt (1735). Die Behandlung von Patienten mit den Symptomen schwerer Bauchschmerzen mit Opium führte schließlich zu den ersten Operationen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es eine Welle solcher Eingriffe.

Dr. Wehrle stellte fest, dass Frauen häufiger an Blinddarmentzündung erkranken als Männer. Er widersprach der Auffassung, dass der Blinddarm ein unnützes Organ sei. Inzwischen weiß man, dass er eine wichtige Funktion für die Entwicklung eines Kindes in den ersten Lebensjahren hat. Außerdem sei er ein wertvolles Reservoire von Darmbakterien. Bei einer Entzündung sei jedoch rasche ärztliche Hilfe unverzichtbar.

Er verwies auf die Symptome einer solchen Erkrankung mit schweren Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Bei Gesprächen mit dem Patienten, mit einer Laboruntersuchung und Ultraschall-Bildgebung versucht der Arzt, die genaue Lage des entzündeten Organs zu erkunden. Würde es noch vor einer rettenden Operation platzen, wäre diese Entzündungsmasse mit ihren schädlichen Bakterien in der Bauchhöhle eine tödliche Gefahr. Deshalb sei es ratsam, bei anhaltenden schweren Bauchschmerzen unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Auch Schwindel und Fieber sind Symptome einer Blinddarmentzündung. Selbst wenn der Schmerz nachlässt oder sich verlagert - durch Veränderung der Lage des entzündeten Darmbereichs - kann keine Entwarnung gegeben werden.

OP bis heute unverzichtbar

Bei einem Versuch, bei dem eine Patientengruppe antibiotisch behandelt wurde, mussten 50 Prozent der Patienten doch operiert werden. "Seit der ersten OP 1894 hat sich bis heute an der Notwendigkeit einer Operation nichts geändert", fasste Dr. Wehrle diese Entwicklung zusammen und führte als Beleg eine dramatische Notoperation 1961 bei einer Antarktis-Expetition an. Die vielen Fragen, die an ihn nach seinem Vortrag gestellt wurden, waren ein Zeichen für das große Interesse der Zuhörer. H.T.

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