Viernheim

Jubiläum Vorstände sprechen über Tradition und Zukunft der Baugenossenschaft / Bezahlbarer Wohnraum für mehrere Generationen als Ziel

„Die Mieter sollen sich wohlfühlen“

Archivartikel

Viernheim.Eine große Jubiläumsfeier hätte es geben sollen, dazu übers Jahr verteilt kleinere Termine, mit Weggefährten, Handwerkern, Mitgliedern. Die Vorbereitungen dafür waren bereits so gut wie abgeschlossen. Doch dann kam im Frühjahr die Corona-Krise und alles wurde abgesagt.„Das Risiko wäre einfach zu groß gewesen“, erklärt Rolf Sax, kaufmännischer Vorstand der Viernheimer Baugenossenschaft. Das Unternehmen wurde am 7. November vor genau 100 Jahren gegründet. Aus diesem Anlass haben sich Sax sowie seine Vorstandskollegen Reinhard Hölscher und Harald Weik mit dieser Redaktion getroffen, um zurück-, aber auch nach vorne zu blicken.

Verändert hat sich bei der Baugenossenschaft unter anderem die Größe. 1920 gab es 101 Mitglieder, Anfang 2020 waren es 3063. Daneben beschäftigt die BG heute 28 Mitarbeiter und verfügt über fast 1900 Wohnungen. Das Ziel ist aber heute noch dasselbe wie vor 100 Jahren. „Wir schaffen Wohnraum für die breite Masse“, erklärt Sax.

Bei 5,46 Euro liegt in den BG-Wohnungen der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter. Das ist sogar weniger als der Durchschnitt von 6,39 Euro bei den hessischen Mitgliedern des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW). Darin sind rund 200 Wohnungsunternehmen in Hessen und Rheinland-Pfalz organisiert.

Eine große Rolle spielen in der Strategie der BG Sozialwohnungen. 55 von ihnen entstehen gerade an verschiedenen Orten Viernheims im Rahmen der sogenannten „mittelbaren Belegung“. Als Gegenleistung für Fördergelder von Land und Stadt wandelt die BG dabei bestehende Wohnungen in Sozialwohnungen um. „Bei der Belegung schauen wir immer, ob jemand in ein bestimmtes Haus passt. Wir prüfen zum Beispiel, ob es sinnvoll ist, einen Kurden in ein Gebäude einziehen zu lassen, wo sonst nur Türken wohnen“, berichtet technischer Vorstand Harald Weik. Der höchste Mietpreis pro Quadratmeter für ein BG-Wohnung liegt bei 8,50 Euro. Diese müssen Mieter künftig etwa für bestimmte Unterkünfte in der Franz-Schubert-Straße bezahlen. Dort entstehen gerade fünf neue Häuser. „Die Nachfrage ist sehr groß, die meisten Wohnungen sind bereits vermietet oder reserviert“, berichtet Sax.

Unabhängig davon, ob es um geförderte oder nichtgeförderte Wohnungen geht: „Ziel der BG ist es, dass Mieter möglichst lange darin bleiben, sich wohlfühlen und pfleglich mit den Immobilien umgehen“, so Weik. Als Genossenschaftsmitglieder halten die Mieter statt einer Kaution mindestens einen der Anteile der BG. Diese haben einen Wert von jeweils 520 Euro und sind sehr gut verzinst. Weik nennt noch einen weiteren Vorteil für Mieter: „Bei uns gibt es keine Eigenbedarfskündigungen.“

Photovoltaik auf dem Dach

All das trage zu dem sehr großen Interesse an BG-Wohnungen bei. Seit 2010 baut das Unternehmen außerdem alle neuen Wohnungen barrierearm. Das hilft nicht nur Behinderten. Auch mehrere Generationen können so leichter zusammen in einem Haus wohnen. „Aufzüge helfen sowohl der Oma im Rollstuhl als auch der Mutter mit dem Kinderwagen“, erklärt Weik. „Rund 19 Prozent unserer Wohnungen sind heute schon barrierefrei zugänglich“, ergänzt Sax. Energieeffizienz und Klimaschutz spielen bei den Planungen der BG ebenfalls schon länger eine wichtige Rolle, wie Reinhard Hölscher berichtet. „Bereits seit 2010 bauen wir alle unsere neuen Wohnungen im Passivhausstandard. Wir waren Fridays For Future also einige Zeit voraus.“ Daneben vermietet die BG Dachflächen an die Stadtwerke, die dort Photovoltaikanlagen anbringen.

Eng ist die Zusammenarbeit mit dem städtischen Energieversorger auch bei der gemeinsamen Tochtergesellschaft Kabel Viernheim. Diese unterhält ein eigenes Glasfasernetz, das direkt bis in die neueren BG-Wohnungen reicht. „Verfügbar werden dadurch Übertragungsraten von bis zu 400 Mbit pro Sekunde“, berichtet Sax. In den neuen Häusern an der Franz-Schubert-Straße werden die Wohnungen sogar über zwei Glasfaseranschlüsse verfügen, einen von Kabel Viernheim und einen von der Telekom. „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Sax. „Wir bieten damit gute Möglichkeiten, in unseren Wohnungen im Home-Office zu arbeiten. Gerade in der Corona-Krise wird das immer wichtiger.“

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