Viernheim

Menschen in Viernheim Der frisch gebackene Faustball-Weltmeister Jonas Schröter hofft auf weitere Erfolge mit dem Nationalteam / Arbeitsplatz in Viernheim

„Dieses Gefühl vergisst du nie mehr“

Archivartikel

Viernheim.Diesen einen Moment im letzten Spiel, an den wird sich Jonas Schröter wohl sein Leben lang erinnern: Als der Matchball die Begegnung entschied, als klar war, dass Schröter und seine Mannschaft Faustball-Weltmeister sind, dass sich das harte Training der vergangenen Monate am Ende gelohnt hat.

Nun sitzt der 23-Jährige wieder an seinem Arbeitsplatz in Viernheim, bei der RS Office Products GmbH. Die Weltmeisterschaft ist bereits ein paar Wochen vergangenen, die Medaille liegt vor ihm auf dem Tisch im Konferenzzimmer. „Ich weiß, dass solche Momente nicht so oft im Leben vorkommen, das ist mein ganz persönliches sportliches Highlight“, sagt er. Seine sportliche Karriere als Faustballer begann Jonas Schröter mit sechs Jahren in Wünschmichelbach im Odenwald – einem Stadtteil von Weinheim und seinem Heimatort. Dort wird Faustball seit eh und je groß geschrieben. „Und eigentlich ist es bei uns im Dorf auch die einzige Sportart“, erklärt Schröter. Vater und Mutter waren auch Faustballer, und jetzt feuern sie ihren Sohn von den Zuschauerrängen aus an.

Dass Jonas Schröter Talent hat, stand schon früh fest: Seit er zwölf Jahre alt ist, durchläuft er die U-Nationalmannschaften. Mit 16 kam er dann ins U18-Team, und das erste große Turnier stand bevor: die Europameisterschaft 2013 in Österreich, bei der die deutschen Faustballer Platz zwei erreichten. Danach ging es 2014 mit der U18 sogar zur Weltmeisterschaft nach Brasilien.

Da Faustball nach wie vor eine Randsportart ist und die Aktiven alle kein Geld verdienen, musste Jonas Schröter einen Teil der Kosten für die Reise nach Brasilien selbst bezahlen. Bei Heimspielen stellte der Verein deshalb eine Kasse auf, in die jeder Zuschauer etwas hineinwerfen konnte. „Im Dorf habe ich dann einige Geschäfte besucht und dort um Spenden für meine Reise gebeten“, sagt er. Am Ende hatte er das Geld beisammen und die Mühe wurde belohnt: Die Jungs gewannen in Brasilien die Weltmeisterschaft.

Mit dem WM-Titel und dem daraus gewonnenen Selbstbewusstsein im Gepäck wechselte Jonas Schröter anschließend in die U21-Nationalmannschaft, mit der er drei Mal in Folge die EM gewann. Zuschauer gibt es beim Faustball relativ wenige. „In Brasilien schauten kaum Leute zu, wenn die Spiele in Süddeutschland, in Österreich oder der Schweiz stattfinden, dann ist es besser“, berichtet der 23-Jährige. Zur Europameisterschaft in Calw 2017 kamen rund 1500 Fans. „Das ist dann schon ein ganz anderes, aber tolles Gefühl.“

Neue Herausforderung

Seit 2018 spielt er nun in der Nationalmannschaft, „bei den Männern“, wie er sagt. Er habe zu Beginn schon ganz schön Respekt gehabt, erinnert er sich. Von den Junioren sei er der einzige gewesen, der in die Nationalmannschaft eingeladen wurde. „Also fühlte ich mich dort zuerst einmal ziemlich alleine.“

Doch Jonas Schröter fand sich im Nationalteam schnell ein: Das erste Turnier war gleich eine Europameisterschaft, die 2018 in Deutschland ausgetragen wurde, und zwar in Adelmannsfelden, einer Gemeinde im Ostalbkreis in Baden-Württemberg mit nicht einmal 2000 Einwohnern. Und dennoch: „Es war für mich eine beeindruckende Kulisse“, sagt Schröter. Beim Endspiel schauten rund 3500 Zuschauer zu – und die deutsche Mannschaft gewann. Vor der EM hatte das Team zwei Lehrgänge. Das war vor der WM 2019 anders, der Leistungsdruck wurde größer. Das Training begann bereits nach Ostern, traininert wurde im Ausland. „30 Leute sind hingeflogen, nach dem Lehrgang wurden zehn aussortiert“, sagt Schröter. Er durfte dabei bleiben.

Auch beim Nominierungslehrgang konnte er Trainer Olaf Neuenfeld überzeugen. Übrig blieb eine Mannschaft mit zehn Spielern, die vor der WM noch ein paar Lehrgänge, Testspiele und Trainingswochenenden absolvierten. Als Favorit startete die deutsche Mannschaft in die WM im schweizerischen Winterthur, steigerte sich von Spiel zu Spiel und gewann schließlich das Endspiel gegen Österreich mit 4:0 vor 7000 Zuschauern. „So ein schönes Gefühl, das vergisst du nie mehr“, sagt Schröter. Am Ende stürmten alle Spieler auf den Platz und feierten ausgelassen. „Meine Eltern haben sich auch sehr gefreut“, sagt der 23-Jährige stolz. Der Faustball sei schon immer eine Familiensache gewesen, aber die Sportart an sich sei ebenfalls sehr familiär. „Bei der WM gab’s ein Spielezimmer mit Tischkicker, das gleichzeitig auch Massageraum war“, erklärt er. Dort sitze man mit den Spielern anderer Nationen zusammen, unterhalte sich, während die anderen massiert werden.

Für den Faustball musste sich Schröter in diesem Jahr 21 Tage frei nehmen, für Turniere und Lehrgänge sei er bestimmt an die 10 000 Kilometer mit dem Auto gefahren. Seine Wünsche für die Zukunft? „Ich wünsche mir, dass die Sportart endlich vorankommt.“ Und er hofft, dass er mit dem Nationalteam noch weitere Erfolge feiern darf. Etwa bei der Faustball-WM, die 2023 in Mannheim ausgetragen wird. „Darauf freue ich mich schon sehr.“

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