Viernheim

Hospizverein Ehrenamtliche gesucht / Neue Homepage informiert über hochsensibles Thema

Du bist nicht allein

Viernheim.Wenn Menschen über den Tod sprechen, werden sie oft plötzlich anders. Sie verändern ihre Art zu sprechen, ihre Körperhaltung ändert sich. Auch andere Worte werden verwendet – man sagt, jemand „ist verstorben“ anstatt auszudrücken „er ist tot“.

Das zeigt: Im Gespräch über den Tod dominieren, verständlicherweise bei der Unfassbarkeit dieses Zustandes, Unsicherheit und Angst. Lieber ist man vorsichtig und hält Abstand, um den die nötige Sensibilität zu wahren. Insbesondere im Gespräch mit Betroffenen, Angehörigen und Bekannten ist das der Fall.

Trotz aller Schockstarre, Überforderung und Trauer: Wie wichtig es ist, dass am Ende des Lebens Begleitung da ist, zeigen die Schilderungen des Teams vom Viernheimer Hospizverein. Dass die letzte Phase im Leben eines unheilbar Kranken voller Impulse sein kann, verdeutlichen insbesondere die Ehrenamtlichen dort. Die Menschen, die dort unentgeltlich arbeiten, verbringen viel Zeit mit den Kranken. Diese wertvollen Stunden füllen sie auf verschiedene Arten aus: „Was viele nicht wissen ist, dass diese Aufgabe eine unglaublich kreative ist“ sagt Wencke Stülpner vom Hospizverein.

Keine medizinische Tätigkeit

Die Arbeit als Ehrenamtlicher im Hospiz ist keine medizinische. Auch das wissen viele nicht. Als Ehrenamtler dort hat man genau eine Aufgabe: da zu sein. Das bedeutet, für Kranke und oft auch für Angehörige. Von Ideen wie „Ich bringe Kaffee und wir plaudern ein bisschen“ bis hin zu „Lass uns gemeinsam das Fußballspiel ansehen“ kann das alles sein, was der Zustand des Kranken zulässt und was sein Wohlbefinden in diesem Moment fördert. Und vor allem – was seine Leidenschaft trifft. „Bei der Zuteilung der Ehrenamtlichen schauen wir unter anderem auf Hobbys und Interessen“, beschreibt Palliativschwester und Koordinatorin Dorothee Gassenferth. So können wir Menschen zusammenbringen, die einen „Draht zueinander haben“. Das kann etwas sein, was beide Menschen lieben, das sie gerne tun oder was sie irgendwie verbindet. Zum Beispiel ein früherer Arbeitgeber oder die Leidenschaft für Sport. „Hier beobachten wir vielseitige und emotionale Momente. Dabei haben wir auch schon sehr schöne Überraschungen erlebt. Das ging bis dahin, dass sogar Freundschaften daraus entstanden sind“, berichtet Jutta Behrendt, Ärztin und Leiterin des Hospizvereins. „Unsere Helfer bringen so neue Impulse in den Alltag der Menschen im Hospiz. Der ist oft geprägt von vielen Besuchen von Ärzten, Pflegern oder Familie“, erzählt Stülpner. „So eine Ablenkung kann da unglaublich guttun“, ergänzt sie.

Nachwuchskräfte gesucht

Der Hospizverein sucht dringend Nachwuchskräfte im Ehrenamt. Dabei ist es egal, ob jemand sagt: „Ich kann etwa zwei Stunden pro Woche, da ich berufstätig bin“ oder „Ich kann zeitlich richtig viel mithelfen, weil ich pensioniert bin“. Auch wenn es unfassbar klingt, machen die Helfer es auch gerade mit ihrem Blick von außen möglich, dem Sterben viel Leben zu geben. Mit einer neuen Homepage macht der Verein daher jetzt neben Informationen für Betroffene und Angehörige auch stark auf die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter aufmerksam. Die Ausbildung orientiert sich an den Richtlinien des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes. Interessierte sind jederzeit willkommen. Das Besondere bei den Viernheimer Helfern ist, dass sie ambulant helfen. Sie kommen zu den Betroffenen nach Hause. „Das bedeutet auch oft eine Entlastung für die Angehörigen der Kranken, weil sie wissen, es kümmert sich jemand um ihre Lieben“, so Behrendt.

Zudem finden im Verein regelmäßig sogenannte „Orientierungstage“ satt. Diese dienen zur Information über die Tätigkeits- und Einsatzbereiche der ehrenamtlichen Mitarbeit im stationären Hospiz, setzen die Teilnehmer in Kenntnis über die aktive Mitarbeit der ambulant helfenden Begleiter und sind offen für jeden, der sich mit würdigem Leben und Sterben auseinandersetzen möchte. Interessenten gehen an diesem Tag keine Verpflichtung im Hospizverein ein, jedoch ist der Besuch des Orientierungstages Voraussetzung für eine aktive Mitarbeit in der ambulanten Sterbebegleitung im Hospizverein.

Durch das Engagement zeigen der Verein und seine Helfer in Viernheim deutlich: Kranke in ihrer letzten Lebensphase sind Teil der Gesellschaft. Bis zuletzt.

Das ist auch der Grundsatz des Teams im Verein. Ihre Botschaft an den Schwerkranke lautet: Du bist nicht allein. Egal wann.

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