Viernheim

Vereinsfrühschoppen Hochschuldozentin Gisela Jakob referiert über Chancen und Herausforderungen von Vereinen in der modernen Gesellschaft

„Ehrenamtliche stärken die Demokratie“

Archivartikel

Viernheim.„Ehrenamtliche in mehr als einer halben Million Vereinen in Deutschland leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Gedeihen unserer Zivilgesellschaft und zur Stärkung unserer Demokratie“, sagte Gisela Jakob. Bei einem vom Amt für Kultur, Bildung und Soziales organisierten Vereinsfrühschoppen tauschten sich gestern Vereinsvertreter im Ratssaal des Rathauses mit Verwaltungsmitarbeitern und Kommunalpolitikern über die Rolle von Vereinen in der modernen Gesellschaft aus. Professor Gisela Jakob führte die Teilnehmer mit einem Vortrag über Funktion, Chancen und Herausforderungen von Vereinen in die Thematik ein. Anschließend nutzten die Ehrenamtlichen die Gelegenheit zur Diskussion.

Gisela Jakob ist Dozentin des Fachbereichs Soziale Arbeit an der Hochschule Darmstadt. In ihrer beruflichen Tätigkeit beschäftigt sie sich bereits seit vielen Jahren mit der Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement. In Deutschland existierten 2017 mehr als 600 000 Vereine, drei von vier Klubs werden rein ehrenamtlich geführt. Die Zahl der Mitglieder insgesamt steigt an, allerdings verzeichnen Vereine gerade in traditionellen Bereichen wie Sport, Kultur, Freizeit und Katastrophenschutz seit vielen Jahren einen Rückgang der Mitgliederzahlen.

Vereine erfüllen Jakob zufolge wichtige Funktionen, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für eine lebendige Zivilgesellschaft von großer Bedeutung seien. „Sie stiften Gemeinschaft, agieren als Dienstleister und Interessenvertreter, transportieren Werte und erfüllen in vielen Fällen auch einen Bildungsauftrag.“ Das Engagement bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 sei ein gutes Beispiel für die große Bedeutung von Vereinen für den Erhalt von Demokratie und Zivilgesellschaft, sagte die Referentin. Vereine seien vorwiegend auf lokaler Ebene angesiedelt und somit nah an der Lebenswirklichkeit der Bürger. Trotzdem stünden Vereine in der modernen Gesellschaft auch vor zahlreichen Herausforderungen. Verantwortlich dafür seien neue Lebensstile und Umbrüche wie die Digitalisierung.

Im Anschluss an die Präsentation bot sich den Besuchern des Vereinsfrühschoppens die Gelegenheit zur Diskussion. So wies Peter Lichtenthäler von der Arbeiterwohlfahrt darauf hin, dass er bei seiner Arbeit im Viernheimer Ortsverein sowohl aktiven als auch passiven Mitgliedern begegne. Hier könne man durchaus von einem „lebendigen Ehrenamt“ sprechen, allerdings nehme das Engagement eine andere Form an als noch vor 40 Jahren.

Veränderte Rahmenbedingungen

SPD-Stadtverordneter Hussein Atris ergänzte, dass sich aus seiner Sicht gesellschaftliches Engagement häufig weg von gemeinnützigen Initiativen und hin zu einem Einsatz mit direktem Mehrwert für das eigene Leben entwickle. So sei die Mitarbeit von Eltern in Fördervereinen von Schulen und Kindergärten durchaus wichtig und lobenswert. Ein Einsatz in rein gemeinnützigen Organisationen ohne unmittelbare Auswirkung auf das eigene Umfeld sei jedoch gerade in der jüngeren Generation seltener zu beobachten.

Jutta Schmiddem erklärte, dass ein derartiger selbstloser Einsatz in Vereinen aufgrund der beruflichen und familiären Belastung für viele Menschen nicht mehr zu leisten sei. Vertreter der Sportvereine ergänzten, für Kinder in Ganztagsschulen werde es immer schwieriger, noch Zeit für die Teilnahme an regelmäßigem Training oder an Wettkämpfen aufzubringen.

„Es ist erfreulich, dass so viele verschiedene Vereine durch ihre Vertreter heute den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden haben“, zeigte sich Horst Stephan vom Kulturamt mit der Resonanz auf den Frühschoppen zufrieden. Er regte an, die Präsentation von Gisela Jakob bei einem weiteren Treffen als Hilfestellung zu nutzen, um Konzepte zur Unterstützung der Vereinsarbeit zu erarbeiten. Städtische Angebote wie die Zukunftsworkshops für Ehrenamtliche sind laut Stephan bereits ein wichtiger Baustein, um gemeinnütziges Engagement auch für zukünftige Generationen auf ein solides Fundament zu stellen.

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