Viernheim

Erinnerungskultur Ausstellung „Ravensbrück 1939 bis 1945“ in Apostelkirche eröffnet / Viernheimer Zeitzeugen sprechen über Erlebnisse

Ein Zeichen gegen Rassismus

Archivartikel

Viernheim.„Wir brauchen Erinnerungen, um für das Heute gewappnet zu sein“, sagte Bürgermeister Matthias Baaß und blickte auf die Stellwände, die Stelen und Stühle in der Apostelkirche. Die Ausstellung „Ravensbrück 1939 bis 1945: Christliche Frauen im Konzentrationslager“ erinnert an das Schicksal von 13 weiblichen Opfern der NS-Diktatur, die damals im nördlichen Brandenburg inhaftiert waren.

Die 13 Frauen werden in Mappen porträtiert, die auf einem großen Tisch liegen. „Wir sind bewegt von dem Schicksal dieser Frauen. Es sind Frauen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichem Glauben, mit unterschiedlichen Lebenswegen“, führten unter anderem Inka Träger und Marion Schmid in die Ausstellung ein. An Stellwänden und Stelen wird deutlich, welche Rolle der Glauben für die Opfer im Konzentrationslager gespielt hat. Allerdings will der Frauenbund nicht nur auf die einzelnen Schicksale aufmerksam machen, sondern mit der Schau auch ein Zeichen setzen gegen Rassismus und Rechtsextremismus in der Welt.

Dabei steht die Ausstellung im Zeichen der aktuellen Kampagne „Nur wer bewegt ist, kann bewegen“. Die Umsetzung dieser Form der Erinnerungskultur war für den Frauenbund eine neue Erfahrung. Auch fungiert die umgestaltete Apostelkirche erstmals als Ausstellungsort. „Hier ist ein Raum entstanden, in dem man seinen Blick richten kann auf die Vergangenheit, die die Gegenwart bewegt“, betonte Pfarrer Ronald Givens. Alle seien die Nachfolger derer, die vor über 80 Jahren etwas aus dem Blick verloren und deshalb Ravensbrück erst ermöglicht hätten.

Landrat Christian Engelhardt fand es passend, dass an der Auftaktveranstaltung auch Gäste aus dem polnischen Mława dabei waren, wo doch der Zweite Weltkrieg dort mit dem Überfall durch die Nazis begonnen habe. „Menschen haben vergessen, dass das Gegenüber gleichwertig und nicht weniger wert ist, weil es eine andere Nationalität hat“, erinnert Engelhardt an eine Denkweise von damals, die leider auch heute noch aktuell sei.

Jüdische Festmusik

Bürgermeister Matthias Baaß machte deutlich, dass zwischen Kriegsende und seiner Geburt nur 17 Jahre liegen. „So ist das, was ich in der Schule vermittelt bekommen habe, enger mit meinem Leben verknüpft als ich es mir damals dachte.“ Er betonte, dass Erinnerungen wertvoll seien und nur dann auch nachhaltige Wirkung hätten. Musikalisch begleitet wurden die drei Eröffnungsreden durch die Klezmer-Band. Das Ensemble der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH) spielte jüdische Festmusik.

Die Ausstellung ist bis Freitag, 27. September in der Apostelkirche zu sehen. Passend zum Thema hat der Frauenbund ein Begleit-Programm zusammengestellt. So wird am Dienstag, 3. September, 19 Uhr, in der Kirche ein Spielfilm gezeigt. Am Montag, 9. September, laden die Organisatoren um 19 Uhr zu einer szenischen Lesung ein. Stefan Ackermann führt am Dienstag, 17. September, 19 Uhr, durch einen literarischen Abend. Und am Sonntag, 22. September, haben im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst Zeitzeugen das Wort. Sie berichten dann über die Geschehnisse in Viernheim zwischen 1933 und 1945.

Wer Interesse an einer Führung durch die Ausstellung hat, zum Beispiel geleitet von einer Schülergruppe der AvH, kann sich bei Inka Träger vom Vorstand des Viernheimer Frauenbundes anmelden. Eine E-Mail an inka.traeger@frauenbund-viernheim.de genügt.

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