Viernheim

Entwicklungshilfe Focus unterstützt 47 mangelernährte Flüchtlinge in Silly / Gefahren für körperliche und geistige Gesundheit

Eiweiß, Fett und Vitamine sollen Kindern helfen

Archivartikel

Viernheim.Mehr als 600 Flüchtlinge haben momentan in Viernheims Partnerregion Silly Zuflucht gefunden. Bei Untersuchungen fiel nun auf, dass sich unter ihnen 47 Kleinkinder befinden, die an akuter Mangelernährung leiden. Der Afrikaverein Focus hat daher die notwendigen Mittel bereitgestellt, damit Aufbaunahrung besorgt werden kann.

„Ich bin sehr dankbar, dass Focus die Beschaffung der Aufbaunahrung ermöglicht hat und die kostenpflichtige medizinische Versorgung der Frauen und Kinder gewährleistet“, berichtet Sillys erster Stadtrat Kamou Konate, der die Gesamtleitung des Flüchtlingsprojekts innehat. In den vergangenen Wochen wurden mehr als 300 Kinder in den acht Gesundheitsstationen auf ihren Ernährungszustand und etwaige Krankheiten hin untersucht. Mithilfe des MUAC-Tests (Mid-Upper Arm Circumference) konnten die 47 stark unterernährten Kinder identifiziert werden.

Ein bis fünf Jahre

„Bei diesem Test handelt es sich um ein Verfahren für Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren, bei dem der Umfang in der Mitte des linken Oberarms gemessen wird. Bei unter elf Zentimetern signalisiert das Maßband durch eine rote Einfärbung eine akute Mangelernährung, die auch zum Tode führen kann“, so Wolfgang Pachner, bei Focus zuständig für den Bereich Gesundheit.

Durch Unterernährung im Kindesalter werde die körperliche und geistige Entwicklung stark eingeschränkt. Außerdem sind die Kinder deutlich anfälliger für Krankheiten wie Durchfall, Lungenentzündung oder Malaria und zeigen oft apathisches Verhalten. „Das Ernährungsprogramm für die mangelernährten Kinder erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Monaten, in denen der Mangel an Eiweiß, Fett, Vitaminen und Mineralien durch eine spezielle Nahrung ausgeglichen wird. Dafür fallen Kosten in Höhe von umgerechnet knapp 40 Euro pro Kind an“, so Konate. Unterstützt wird das Personal der Gesundheitsstationen durch die „Agents de Santé à Base Communautaire (ASBC)“. Jedes der 33 Dörfer in der Region verfügt über zwei dieser Laien-Gesundheitshelfer. Sie dienen als erste Anlaufstellen bei der Wundversorgung, besprechen mit den Patienten die Einnahme von Medikamenten und veranlassen die Überführung in bis zu 15 Kilometer entfernte Gesundheitsstationen.

„Die offizielle Vergütung beträgt umgerechnet 30 Euro im Monat. Leider kommt der Staat nicht immer seinen finanziellen Verpflichtungen nach“, bedauert Konate. Sorgen bereiten dem Stadtrat auch die Monate bis zur Erntezeit im Herbst. Im Sommer würden bei der Bevölkerung die Vorräte knapper, so dass die Bereitschaft zur Abgabe von Nahrung an Flüchtlinge deutlich sinke. JR

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