Viernheim

Vortrag Sozialwissenschaftler Jan-Uwe Rogge verrät Tipps und Tricks bei Erziehungsfragen

Eltern sollten dreimal täglich mit ihren Kindern lachen

Archivartikel

Viernheim.Kindererziehung kann auch Spaß machen, zumindest wenn es nach Jan-Uwe Rogge geht. Der Familien- und Kommunikationsberater sowie Buchautor gilt als einer der erfolgreichsten Erziehungsexperte Deutschlands und liefert bei seinen Auftritten Antworten auf Fragen, die Eltern bewegen.

So auch im proppenvollen kleinen Saal des Bürgerhauses, wohin die Verantwortlichen der AWO-Kindertagesstätte Kirschenstraße eingeladen hatten. Das Thema „Was Kinder und Jugendliche heute brauchen“ stieß also auf große Resonanz, mehr als 200 Zuhörer lauschten dem kurzweiligen Vortrag des Erziehungskabarettisten.

„Der Zuspruch ist fantastisch, da haben sich die umfangreichen Vorbereitungen ausgezahlt“ freute sich die AWO-Vorsitzende Jutta Schmiddem beim Blick in den Saal. Kita-Leiter Thomas Sebert strahlte ebenfalls Zufriedenheit aus, „auch viele Auswärtige haben den Weg nach Viernheim gefunden. Wer mit einem trockenen Vortrag über Kindererziehung gerechnet hatte, wurde bitter enttäuscht, und das war gut so.

Jan-Uwe Rogge verfügt über erstklassige Entertainerqualitäten, hielt auch den Besuchern im Bürgerhaus den Spiegel vor, ohne den lehrenden Zeigefinger zu erheben. „Pestalozzi hat einmal gesagt, dass man mindestens dreimal täglich mit seinen Kindern lachen sollte.“

Frage man Kinder danach, was sie von ihren Eltern und Bezugspersonen möchten, so würden vier Wünsche genannt: Nehmt uns so, wie wir sind. Vergleicht uns nicht immer. Lasst uns Zeit für unsere Entwicklung. Beobachtet und bewertet uns nicht immer.

Was damit gemeint ist, beschrieb Rogge anhand vieler Alltagssituationen auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise und zauberte den Zuhörern ein Dauergrinsen ins Gesicht. Sei es das Kind, das sich schreiend an der Supermarktkasse auf den Fliesen wälzt, das trödelt, sein Zimmer nicht aufräumen möchte oder nach dem Besuch bei den Großeltern schwärmt „dort ist alles besser“. „Da liegt einem schon mal ’dann zieh doch hin’ auf der Zunge“ spricht der Familienvater und Opa aus eigener Erfahrung.

Auch wurden die verschiedenen Abschnitte der Kindheit beleuchtet. Das reicht von trotzigen Kindern über die Pubertät bis hin zum aufsässigen Jugendlichen. Nicht zu vergessen die Helikoptereltern, die ihrem Nachwuchs am liebsten vom Auto aus beim Spielen im Kindergarten zuschauen oder ins Klassenzimmer folgen würden.

Plädoyer für mehr Gelassenheit

„Sie können nicht verhindern, dass ihr wohlerzogener Sprössling mit Bitte und Danke in die Kita geht und mit Ausdrücken wie Scheiße nach Hause kommt. So etwas gehört nun mal zu Sprachvielfalt“, betont der Experte. Locker bleiben, Spaß haben und ein Nein der Kinder akzeptieren, gibt Rogge mit auf den Weg und plädiert für mehr Gelassenheit in der Erziehung. Man soll auch einem Grashalm beim Wachsen zuschauen und nicht daran ziehen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel