Viernheim

Verein Stadt überträgt Gestaltung der Zusammenarbeit an die Ehrenamtlichen von Focus / Mitglieder investieren viele Stunden in Projekte

Engagement für Bildung und Brunnenbau

Archivartikel

Viernheim.Wenn Klaus Hofmann sich mit anderen Kommunen über deren afrikanische Städtepartnerschaft austauscht, dann spricht er meistens mit einem städtischen Angestellten. Ehrenamtliche, wie er selbst einer ist, trifft er dabei kaum. „Es ist eine Besonderheit von Viernheim, dass ein Verein beauftragt wurde, die Städtepartnerschaft mit Leben zu füllen“, sagt er.

Enorm viel Arbeit bedeutet das für die Vereinsmitglieder. Anträge müssen vorbereitet, Spenden und Zuschüsse verwaltet und die Projekte in der afrikanischen Partnergemeinde betreut werden. „Eigentlich ist das ein Halbtagsjob“, meint Hofmann. Stundenlang nach der Arbeit noch am PC zu sitzen, sei unumgänglich. Dann zuckt er mit den Schultern und lacht: „Wenn es keinen Spaß machen würde, würden wir es aber nicht machen.“

Bürgermeister Matthias Baaß ist dankbar dafür. „Wir sind beschenkt mit sehr engagierten Bürgern“, sagt er. Nur dank des Vereins und der Spendenbereitschaft vieler Viernheimer konnte aus ersten kleinen Hilfsaktionen ein großer Erfolg werden. In sechs Bereichen ist der Verein im Auftrag der Stadt aktiv: bei der Schulbildung, der beruflichen Ausbildung, der Wasserversorgung, der Gesundheitsversorgung, dem Klimaschutz und der Begegnung.

Um Projekte wie die Ausstattung von Schulen mit Lehrmaterial oder die Anpflanzung von Obstbäumen zu ermöglichen, stehen die Focus-Mitglieder und die Ortsvorsteher der 32 Dörfer der Partnergemeinde Silly in ständigem Austausch – auf Französisch, der Amtssprache vor Ort. Dem Verein ist es wichtig, alle Projekte gemeinsam mit den Menschen in Afrika zu erarbeiten und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Wir warten immer ab, ob der Staat Burkina Faso liefert. Erst wenn klar wird, dass das nicht gelingt, wird Focus aktiv“, sagt Hofmann. Einmal angeschobene Projekte sollen nach Möglichkeit vor Ort aus eigener Kraft weitergeführt werden. So wie die Instandhaltung der von Focus gebauten Brunnen durch einen lokalen Mitarbeiter, dessen Gehalt durch ein Wassergeld pro Haushalt aufgebracht wird – ohne Spenden aus Viernheim.

Schnellere Kommunikation

Besprochen werden solche Projekte bei den Besuchen des Vereins in Afrika oder umgekehrt. Und über einen Weg, den sich vor 25 Jahren niemand erträumt hat: das Handy. „Früher mussten wir Briefe scheiben“, erzählt Hofmann lachend. Aber heute gehe alles viel schneller. „Innerhalb von Minuten bekomme ich eine Antwort über WhatsApp.“ Die einst so weit entfernte Partnerstadt ist nah an Viernheim herangerückt. mie

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