Viernheim

Friedhöfe Verwaltungsmitarbeiter warnen vor Gefahren durch Radfahrer / Hunde stören bei Trauerfeiern

„Es geht um Sicherheit, aber auch um Pietät“

Archivartikel

Viernheim.Der Neue Friedhof lässt sich eigentlich recht gut überblicken. Hinter dem breiten Eingang beim Verwaltungsgebäude befindet sich ein großer Platz, von dem mehrere gerade Wege ausgehen. „Auf den ersten Blick scheint wenig dagegen zu sprechen, hier mit dem Fahrrad zu fahren, vor allem, wenn das Grab, das man besuchen möchte, weiter weg liegt“, sagt Friedhofsverwalter Julian Betzold. „Aber stellen Sie sich mal vor, es kommt jemand aus der Toilettenanlage direkt am Eingang oder ein Besucher wird durch eine Hecke oder einen hohen Grabstein verdeckt.“ Dann könne es schnell zu einem Unfall kommen.

Auf dem Alten Friedhof mit seinen engeren Wegen sei die Gefahr sogar noch größer. „Deshalb steht in der Friedhofsordnung auch, dass das Radfahren auf den Anlagen verboten ist. Wir müssen schließlich unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen“, fügt Rainer Kempf, Leiter des Stadtbetriebs, hinzu. Auf das Verbot weist auch schon lange ein Blatt mit einem kurzen Text und dem Symbol eines durchgestrichenen Radfahrers im Schaukasten des Neuen Friedhofs hin.

Kempf und Betzold haben aber die Erfahrung gemacht, dass sich viele Besucher dadurch nicht vom Radfahren abhalten lassen. Der Friedhofsverwalter ist seit Mai im Amt. „Am Anfang habe ich noch fast jeden angesprochen, den ich auf dem Fahrrad gesehen habe.“ Inzwischen sei er aber davon abgekommen. „Nur wenige zeigen sich einsichtig. Viele fahren weiter, manche beleidigen mich sogar.“

In der Regel würden die Radfahrer wohl Gräber auf dem Friedhof besuchen und seien schon in mittlerem oder höherem Alter. „Ich bin 22, viele ältere Menschen wollen sich von so jemand Jungem wohl nichts sagen lassen“, vermutet Betzold. Kempf fügt hinzu: „Viele argumentieren, dass sie den Hinweis im Schaukasten nicht gesehen haben.“ Vor ein paar Tagen haben Mitarbeiter des Stadtbetriebs daher zentral am Eingang neue Hinweisschilder angebracht. „Auch die ignorieren aber viele Radfahrer“, so Kempf. „Der nächste Schritt ist, dass wir am Eingang eine Barriere errichten. Das wird aber schwierig werden, da sie so gestaltet sein muss, dass Rollstuhlfahrer sie noch passieren können.“

Für Vierbeiner verboten

Die Radfahrer sind jedoch nicht das einzige Problem auf dem Neuen Friedhof. Über den neuen Schildern mit der Anweisung „Radfahrer absteigen“ und einem rot eingekreisten Fahrrad findet sich deshalb auch eines mit einem durchgestrichen Hund.

„Viele Menschen gehen mit ihren Hunden auf dem Gelände vor dem Friedhof spazieren und machen einen Abstecher hierher. Manchmal nehmen auch Besucher ihre Tiere mit ans Grab“, berichtet Betzold. Außer für Assistenzhunde ist der Zugang zu den Friedhöfen für Vierbeiner aber verboten. Auch darauf weist schon lange ein Blatt im Schaukasten hin.

„Gerade im Sommer lassen Hundehalter ihre Tiere aber zum Beispiel gerne im Springbrunnen vor der Trauerhalle baden“, erzählt Betzold. „Es ist natürlich besonders für die Angehörigen ärgerlich, wenn während der Trauerfeier draußen die Hunde bellen oder sie danach aus dem Gebäude kommen und dort dann drei bis vier Tiere herumspringen.“ Im Eingangsbereich und an der Trauerhalle gebe es auch gelegentlich Probleme mit Hundekot. Direkt an den Gräbern fänden sich aber in der Regel keine Spuren der Vierbeiner. „So weit reicht der Anstand der Halter dann doch“, berichtet Kempf. Auch auf dem Alten Friedhof gebe es wenige Probleme mit Hunden.

Wie bei den Radfahrern bekommen Betzold und er bei den Hunden nicht alles, was passiert, persönlich mit. „Viele Menschen beschweren sich aber bei uns“, berichtet Kempf. Auch aus Respekt vor den Verstorbenen und deren Angehörigen appellieren Kempf und Betzold daher an die Fiedhofsbesucher, sich an die Vorschriften zu halten.

„Wenn alles andere nichts hilft, muss irgendwann das Ordnungsamt stärker kontrollieren“, erklärt Kempf. „Manche Leute reagieren eben erst, wenn es an ihren Geldbeutel geht.“

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