Viernheim

Auszeichnung Partnerschaftspreis erstmals seit Jahrzehnten nicht vergeben / Bürgermeister Baaß spricht von einmaliger Ausnahme

„Es hat sich niemand angeboten“

viernheim.Im vergangenen Jahr wurde die städtische Musikschule für ihre intensiven Kontakte zu den Kollegen in Franconville ausgezeichnet. Davor war es der Badminton-Club, der sich seit fast 30 Jahren im regelmäßigen Austausch mit Potters Bar befindet. Und der Verein Focus erhielt den Partnerschaftspreis, weil er sich unermüdlich zunächst in Satonévri und später im gesamten Departement Silly in Burkina Faso engagierte. Doch mit dieser Ehrung ist zunächst einmal Schluss. Beim Neujahrsempfang der Stadt Viernheim, der am heutigen Freitag, 12. Januar, 20 Uhr, im Bürgerhaus ansteht, wird der seit 1973 existierende Preis nicht verliehen.

Bürgermeister Matthias Baaß erklärt die Entscheidung der Kommission für städtepartnerschaftliche und internationale Beziehungen damit, dass sich kein Verein oder eine andere Institution für die Auszeichnung angeboten habe. „Wir wollten eine weitere Doppelung vermeiden“, sagt der Verwaltungschef. In der Vergangenheit wurden bereits einige Organisationen mehrfach ausgezeichnet. Dies zu wiederholen, war für das Gremium nun offensichtlich keine Alternative mehr.

Großen Wert legt Baaß allerdings darauf, dass die Ehrung damit nicht abgeschafft ist. Schon im kommenden Jahr soll der Preis wieder an verdiente Städtepartner überreicht werden. Früher handelte es sich dabei um einen vom Engländer Mike Watts gestifteten Pokal, auf dem die Träger eingraviert wurden. Seit 1994 erhalten die Ausgezeichneten eine Bronzeskulptur des polnischen Künstlers Marek Zalewski, die anschließend in ihrem Besitz bleibt.

Auch weiterhin will die Kommune gemeinsam mit den Bürgern die Kontakte zu den Partnerkommunen erhalten, pflegen oder sogar ausbauen. „Es gibt Aufs und Abs“, räumt der Bürgermeister aber auch ein und denkt dabei zum Beispiel an die aktuellen politischen Verhältnisse im italienischen Rovigo. Die rechtspopulistische Lega Nord hat dort an Einfluss gewonnen. Und auch mit Franconville in Frankreich gelte es, die Beziehung neu zu ordnen, nachdem dort ein Wechsel an der Verwaltungsspitze stattgefunden hat. Insgesamt aber ist Matthias Baaß guter Dinge, was die Zukunft der Städtepartnerschaften angeht. Das gilt im Besonderen auch für die gerade aufgenommenen Kontakte ins Nachbarland Polen. Baaß und Stephan Schneider vom Kommunalen Freizeit- und Sportbüro (KFS) haben im vergangenen Herbst die Kleinstadt Mlawa besucht.

Kontakte nach Polen

Die Kommune, etwa 110 Kilometer nordwestlich von Warschau gelegen, hat für die beiden Länder eine große historische Bedeutung. Anfang September 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, gab es dort eine verheerende Schlacht, die auf beiden Seiten Tausende Opfer forderte. Auf Mlawa aufmerksam geworden ist Viernheim durch eine Polin, die in der Freundschaftsstadt Haldensleben zu Hause ist.

Ende Januar ist der Gegenbesuch von Bürgermeister Slawomir Kowalewski und weiteren Vertretern Mlawas in Südhessen geplant. Danach werde man sehen, ob aus dem ersten Austausch auf politischer Ebene eine echte Städtepartnerschaft entstehen könne, erklärt Baaß: „Es geht schließlich nicht darum, dass sich die Bürgermeister treffen, sondern die Bürger.“ Wenn dies gelingt, wird sicher auch der Viernheimer Partnerschaftspreis wieder einen angemessenen Träger finden.

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