Viernheim

Kriminalität Unbekannte sprengen Geldautomaten im Rhein-Neckar-Zentrum / Hoher Sachschaden an Gebäude und Geschäften

Explosion in der Ladenstraße

Archivartikel

Viernheim.Ein völlig zerstörter Bankautomat liegt in der Ladenstraße des Rhein-Neckar-Zentrums (RNZ). Der Trümmerhaufen zeugt von einer gewaltigen Detonation. Glasscherben, die vom Schaufenster der Buchhandlung Hugendubel stammen, sind großflächig auf dem Boden verteilt. Von der Decke hängen Lampen herab. Es riecht nach Staub. Ein paar Schaulustige stehen an den Absperrgittern, die mit weißer Folie zugehängt sind. Durch die schmalen Zwischenräume versuchen sie einen Blick zu erhaschen auf den Ort, an dem sich in der Nacht zuvor eine brutale Tat ereignet hat. „Es ist einfach zu viel Sprengstoff im Umlauf“, sagt ein Passant. „Schrecklich“ findet der Inhaber eines Geschäftes den Vorfall. „Wir leben in einer verrückten Welt.“

Unbekannte haben am gestrigen Mittwoch, kurz nach 2 Uhr, den Geldautomaten der Sparkasse Starkenburg im nördlichen Eingangsbereich des RNZ in die Luft gejagt. Nach Angaben der Polizei hatten sie zuvor vermutlich Gas in den Apparat geleitet. Anwohner hörten einen lauten Knall. Kurz darauf sollen drei bis vier Männer in einen tiefergelegten schwarzen BMW oder Mercedes eingestiegen und in Richtung Mannheimer Straße weggefahren sein. Eine sofort eingeleitete Großfahndung verlief ohne Erfolg. Noch keine Angaben kann die Kripo zur Beute machen. Die Täter hätten mehrere Geldkassetten aus dem Automaten entnommen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Zeugen alarmieren Polizei

Den Sachschaden an Gebäude und Geschäften schätzt die Leitung des Rhein-Neckar-Zentrums auf einen Betrag im fünfstelligen Bereich. „Zum Glück waren keine Personen betroffen“, sagt Centermanager Patrick Steidl im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“. Auch für ihn war die Nacht um 2.15 Uhr vorbei. Schon wenige Minuten nach Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr traf er am Tatort ein. Alarmiert wurden die Einsatzkräfte von den Zeugen. Die Bewegungsmelder in der Einkaufsmeile machten den Sicherheitsdienst auf die Tat aufmerksam.

Die Kriminellen hätten zunächst die Eingangstür im Bereich P2 mit einer Brechstange gewaltsam geöffnet, berichtet Steidl. Durch die Explosion seien die Natursteinwand, an der der Geldautomat stand, und die abgehängte Decke samt Beleuchtung erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Außerdem flog die Tür des Automaten auf die andere Seite des Gangs, beschädigte Werbeanlagen, das Rolltor von Hugendubel und zerschlug ein Schaufenster. Bei Nanu-Nana, das direkt daneben Wohnaccessoires anbietet, hat die Scheibe einen Riss.

Neben den beiden unmittelbar betroffenen Läden blieb gestern auch Apollo-Optik vorsichtshalber geschlossen. Steidl zufolge soll zunächst ein Statiker den Teil des Gebäudes untersuchen, bevor er wieder für die Kunden freigegeben wird. Bei den Tätern habe es sich offensichtlich um Profis gehandelt, erklärt der Centermanager, so schnell seien sie zu Werke gegangen.

Auch Christiane Kobus, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt, geht davon aus, dass die Männer zu einer Art Bande gehören und über besonderes Fachwissen verfügen. Schließlich sei eine solche Tat mit einem „großen logistischen Aufwand“ verbunden und noch dazu außerordentlich gefährlich. „Es gibt Parallelen zu anderen Fällen“, betont Kobus gegenüber dem „SHM“. Die weiteren Ermittlungen habe deshalb eine Expertengruppe des Polizeipräsidiums Mittelhessen übernommen. Zeugenhinweise nehmen die Beamten unter Telefon 06252/70 60 entgegen.

Für Viernheim ist es nicht der erste Fall: Am 10. November vergangenen Jahres sprengten Unbekannte den Geldautomaten in der Commerzbank-Filiale in der City. Wenige Stunden zuvor war eine Bank in Groß-Gerau betroffen. In Lampertheim wurde ebenfalls ein Bankautomat gesprengt, am 9. Oktober 2017.

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