Viernheim

Landtagswahl SPD-Kandidat Marius Schmidt macht sich ein Bild von der AWO-Kindertagesstätte Kapellenberg

„Familien und Kommunen entlasten“

Viernheim.Marius Schmidt schaut sich das größte Außengelände einer Viernheimer Kindertagesstätte an, bestaunt die Räume in der angebauten Kinderkrippe, grüßt die Mütter im Elterncafé, begutachtet den Bewegungsraum und lässt sich von Leiter Christoph Hick das Konzept und die Besonderheiten der Internationalen AWO-Kindertagesstätte am Kapellenberg erläutern. Der SPD-Kandidat für die anstehenden Landtagswahlen am 28. Oktober macht sich in seinem Wahlkreis Bergstraße vor Ort ein Bild von den Sorgen und den Anliegen der Bürger.

In der Kita hört er, dass es an Räumlichkeiten fehlt, wie schwierig es ist, den Erziehungs- und Bildungsplan in allen Punkten umzusetzen oder Erzieher auf Fortbildungen zu schicken, ohne den laufenden Betrieb zu vernachlässigen. AWO-Vorsitzende Jutta Schmiddem sagt, dass der Erzieherberuf gerade in den Jahren vor der Rente sehr anstrengend sei. Und sie fordert: „Gebühren gehören ganz abgeschafft.“

Wenn es nach Marius Schmidt und der hessischen SPD geht, soll sich nach der Landtagswahl einiges ändern. Ein Schwerpunkt des SPD-Wahlprogramms ist nämlich die frühkindliche Bildung und deren Finanzierung. „Die Grundlage für viele kognitive Fähigkeiten werden nun mal in der Kita gelegt“, weiß Schmidt aus Gesprächen mit Erziehern und Eltern. Die SPD will deshalb Familien und Kommunen entlasten und gleichzeitig die Erzieher mehr wertschätzen. „Wir wollen das zum Wohl der Kinder, die nicht als reiner Kostenfaktor gesehen werden dürfen.“

Die SPD hat ein Drei-Schritte-Programm erstellt, wie bis 2020 eine halbe Milliarde Euro – eingespart durch weniger Einzahlung in den Länderfinanzausgleich – für frühkindliche Bildung verwendet werden soll. Zunächst sollen die Gebühren abgeschafft werden – „generell für alle Betreuungsformen von der Krippe bis zum Masterabschluss“, betont Marius Schmidt. Die SPD will dann nicht nur den Eltern, sondern auch den Trägern zur Seite springen und den laufenden Betrieb bezuschussen. Zwei Drittel der Kosten und 80 Prozent Personalkosten soll das Land Hessen tragen.

Was die SPD-Intention für Viernheim bedeuten würde, hat Bürgermeister Matthias Baaß exemplarisch ausgerechnet. Die städtische Kindertagesstätte Sonnenschein schlägt mit einem jährlichen Gesamtaufwand von 734 000 Euro zu Buche. Nach Abzug der Elterngelder (80 000 Euro), der Zuweisungen des Landes (122 000 Euro) und weiterer Einnahmen (73 000 Euro) bleibt für die Kommune ein Zuschussbedarf von 459 000 Euro. Nach dem SPD-Modell fällt der Elternbeitrag ganz weg, dafür erhöht sich der Landesanteil auf 400 000 Euro.

Die Stadt Viernheim hätte demnach noch 261 000 Euro zu übernehmen. „Das sind 43 Prozent weniger“, führt Baaß aus, „und hochgerechnet auf alle Viernheimer Kindertagesstätten könnten wir über drei Millionen Euro einsparen und an anderer Stelle ausgeben.“ Als dritter Punkt des Programms sollen Ausbildung und Arbeit der Erzieher überdacht werden. „Hessen ist mit seinem durchschnittlichen Betreuungsschlüssel an vorletzter Stelle im Bund“, nennt Schmidt eine Stellschraube, an der unbedingt zu drehen sei. Auf eine Fachkraft kämen demnach etwa zwölf bis 15 zu betreuende Kinder. Die Hessen-SPD plane ein Sofortprogramm gegen den Erziehermangel mit attraktiveren Ausbildungsmodellen.

Zudem müsse man die Arbeitsbedingungen ändern. „Erzieher sollten sich auf das konzentrieren können, was sie gelernt haben – den Umgang mit den Kindern“, sagt Schmidt. Für Leitungsaufgaben und bürokratische Arbeit solle es ebenso ein Arbeitszeitkontingent geben wie für die Betreuung von Kindern mit besonderem Förderungsbedarf und für die mittelbare pädagogische Tätigkeiten wie Vor- und Nacharbeiten oder Elterngespräche. su

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