Viernheim

Musical Apostelspielschar probt eifrig für Aufführungen von „Anatevka“ / Starkenburg-Philharmoniker kommen hinzu

Feinschliff im Pfarrgarten

Viernheim.„Du musst ganz starr sein und noch mehr weinen.“ Birgit Käser macht kurzerhand vor, wie sie sich die Szene mit der verzweifelten Zeitel und ihrer Mutter vorstellt. Veronika Käser und Edith Kempf passen genau auf und spielen den Part genauso nach. Die Regisseurin ist zufrieden: „Wenn die Mutter die Tochter herumwirbelt, sieht das ganz schön komisch aus.“

Bei den letzten Proben vor den Aufführungen von „Anatevka“ an Pfingsten geht es um den Feinschliff. Die Sprech- und Gesangstexte sitzen nach den wochenlangen Proben eigentlich gut, die Darsteller arbeiten nur noch an Kleinigkeiten. Für die Sänger und Schauspieler ist es eine schweißtreibende Angelegenheit: Die Abendsonne scheint direkt auf die Bühne im Pfarrgarten neben der Apostelkirche. Eine gute Woche vor der Premiere am Samstag, 19. Mai, 19.30 Uhr, gönnt sich die Apostelspielschar aber keine Pause, sondern probt konzentriert an dem Zwei-Akter. Gut, dass inzwischen das Bühnenbild mit Wirts- und Wohnhaus steht und die meisten Requisiten im Einsatz sind. Mit dem Stock, dem Krug, dem Buch oder dem Besen in der Hand spielt es sich doch gleich viel leichter. Es werden willkürlich einzelne Szenen geprobt – erst der „Traum“, dann der „Tratsch“, dann die „Hochzeit“.

Regisseurin gibt Reihenfolge vor

Birgit Käser sagt an, welche Szenen sie als Nächstes angehen will. „Die Mädchen sind da? Dann machen wir jetzt ,Jente, oh Jente’“, schickt sie Rebecca Käser, Elisabeth Renner und Veronika Käser auf die Bühne. Als alle Akteure eingetroffen sind, kommen die großen Szenen wie der Einzug an die Reihe. So eröffnet Milchmann Tevje mit seinem Monolog das Geschehen, in dem die Bewohner des Dorfs Anatevka ihre Tradition besingen. Die Musik zu den Gesangsstücken ertönt noch aus Musikboxen, erst zu den Hauptproben kurz vor der Premiere kommen auch die Starkenburg-Philharmoniker in den Pfarrgarten.

Die Geschichte von „Der Fiedler auf dem Dach“, so der ursprüngliche Titel des Musicals von Joseph Stein und Sheldon Harnick, spielt um etwa 1905 im russischen Dorf Anatevka. Milchmann Tevje hadert damit, dass seine fünf Töchter mehr und mehr gegen die viel besungene jüdische Tradition verstoßen. Er träumt davon, sie reich zu verheiraten und singt das bekannte Lied „Wenn ich einmal reich wär“. Die Töchter Zeitel, Hodel und Chava folgen dagegen lieber ihrem Herzen.

Wie Tevje und seine Frau Golde mit den veränderten Zeiten umgehen müssen, können die Besucher bei den „Anatevka“-Aufführungen erleben. Dann kommt zum hoffentlich guten Wetter und dem Sonnenschein im Pfarrgarten wahrscheinlich auch noch mehr oder weniger Lampenfieber der Darsteller dazu.

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