Viernheim

Schulkinowochen Jugendliche schauen den Film „Blade Runner“ und sprechen mit Kristian Kersting über künstliche Intelligenz

„Firmen gefährlicher als Maschinen“

Archivartikel

Viernheim.Eine Vorführung von Ridley Scotts „Blade Runner“ und ein Expertengespräch über künstliche Intelligenz (KI) bildeten gestern den Viernheimer Beitrag zu den hessischen Schulkinowochen. 45 Schüler schauten sich im Kinopolis den 1982 veröffentlichten Science-Fiction-Klassiker an, in dem Harrison Ford als Polizist Rick Deckard hochintelligente menschenähnliche Roboter jagt.

Bis zu dem am Anfang des Films genannten Datum „November 2019“ sind es zwar nur noch wenige Monate. Technisch ist die Menschheit heute aber noch weit von dem entfernt, was auf der Leinwand gezeigt wurde. Das erklärte Kristian Kersting, Professor für Informatik an der Technischen Universität Darmstadt, im Gespräch mit dem Frankfurter Filmwissenschaftler Carsten Siehl. „Um die Gehirnleistung eines Menschen zu erreichen, müssten Roboter Computer in der Größe von Häuserblocks und ein eigenes Kraftwerk mit sich herumtragen“, so Kersting. Was bisher entwickelt worden sei, seien vor allem „Inselbegabungen“ für spezielle Aufgaben. Dazu zählten etwa Maschinen, die Ärzten beim Erkennen oder Behandeln von Krankheiten unterstützten.

Gefahr drohe aus einer anderen Richtung: „Wir sollten nicht fragen, ob Maschinen die Welt übernehmen, sondern, ob Firmen das tun.“ So würden etwa viele einflussreiche Finanzunternehmen heute von künstlicher Intelligenz angetrieben.

Eine Schülerin wollte daraufhin wissen, ob finanzielle Interessen die KI-Forschung zu sehr in eine profitorientierte Richtung lenkten. Zumindest in seinem Umfeld sei davon nichts zu spüren, so Kersting. Informatiker müssten aber darauf achten, dass das auch so bleibe.

Eine ganz praktische Frage hatte ein anderer Jugendlicher: „Was sollten wir in der Schule lernen, damit wir mitreden können?“ Neben Informatik riet Kersting vor allem zu Statistik: „Es ist wichtig, Zahlen auswerten und Zusammenhänge erkennen zu können. Ihr müsst Systeme nicht selbst programmieren können. Aber ihr müsst wissen, wie sie funktionieren.“

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