Viernheim

Chronik BG blickt auf wechselvolle Geschichte zurück

Flüchtlinge finden neue Heimat

Archivartikel

Viernheim.Die Baugenossenschaft hat in den vergangenen 100 Jahren zahlreiche Entwicklungen durchlaufen.

1920: Mit 101 Gründungsmitgliedern und acht Aufsichtsräten wird die Baugenossenschaft am 7. November ins Genossenschaftsregister eingetragen. Nach dem Ersten Weltkrieg herrscht große Wohnungsnot. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto.

Bis 1932: Trotz Weltwirtschaftskrise errichtet die BG rund 300 Wohnungen.

1933 bis 1937: Im Zuge der „Gleichschaltung“ zahlreicher Organisationen tauschen die Nationalsozialisten sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat der BG aus. In den ersten Jahren des Dritten Reichs baut das Unternehmen keine weiteren Häuser. Stattdessen prüfen die neuen Funktionäre die Arbeit ihrer Vorgänger auf Fehler und mögliche Unterschlagungen. Sie finden jedoch nichts.

1938 bis 1945: Als „Siedlungsträger“ errichtet die BG zwischen 1938 und 1940 insgesamt 30 Häuser in der Kettelerstraße, der Kriemhildstraße und der Kreuzstraße. Der Zweite Weltkrieg verhindert jedoch weitere Bauten.

1945 bis 1960: Nach dem Krieg herrscht ein großer Bedarf an Wohnraum. Viele deutsche Städte sind stark zerstört, zahlreiche Flüchtlinge suchen eine neue Heimat. Zu dieser Zeit entstehen die ersten Sozialwohnungen. 425 davon errichtet die BG in acht Jahren. Dafür stellt das Land Hessen hohe Fördersummen zur Verfügung. Daneben baut die BG bis 1960 auch 179 konventionelle Wohnungen.

1960 bis 1979: Die BG wächst in den 1960er und 70er Jahren stark (siehe auch Artikel „In kurzer Zeit entstehen 500 Wohnungen“). 1969 wird die 1000. Mietwohnung gebaut, 1976 die 1500. Alle Mieter erhalten ein Dauernutzungsrecht. 1963 hat die BG 1500 Mitglieder. 1973 wird die Vertreterversammlung eingeführt. Im selben Jahr zieht die BG-Verwaltung mit 27 Mitarbeitern an den Standort in der Mozartstraße 15.

1989: Nach dem Fall der Mauer steigt die Nachfrage nach Sozialwohnungen stark an. Zunächst erweitert die BG ihren Bestand jedoch nicht. Der Schwerpunkt liegt auf der Renovierung und Modernisierung der bestehenden Wohnungen.

Ab 1996: Alte Häuser werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Durch Nachverdichtung entsteht zusätzlicher Wohnraum. Viele Gebäude werden modernisiert. So verändert sich im neuen Jahrtausend zum Beispiel das Bild der Nordstadt stark. An vielen bestehenden Gebäuden werden etwa alte Balkone durch Vorstellbalkone ersetzt. Fahrradabstellflächen und Müllplätze erhalten Dächer. Um den CO2-Ausstoß zu verringern, entstehen neue Häuser mit sparsamer Heizungs- und Lüftungstechnik.

2007: Die BG stockt ihr Bürogebäude in der Mozartstraße auf und renoviert es.

Ab 2010: Erste barrierearme Wohnungen entstehen. Aufgrund des zunehmenden Durchschnittsalters der Bevölkerung werden Gebäude nun alten- und behindertengerecht geplant. Gleichzeitig entwickelt die BG Passivhäuser. Zusammen mit den Stadtwerken gründet das Unternehmen die Kabel Viernheim GmbH. Diese errichtet ein eigenes Glasfasernetz, um Wohnungen mit schnellem Internet, Telefon und Fernsehen zu versorgen.

2015: Die BG verschiebt den Abriss mehrerer Häuser, um sie der Stadt als Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung zu stellen. Mehrere Familien werden später Genossenschaftsmitglieder und ziehen in reguläre BG-Wohnungen um. fhm

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