Viernheim

Umwelt Neue Informationstafel weist auf besondere Tierwelt im Naturschutzgebiet „Oberlücke von Viernheim“ hin / Kormorane reduzieren Fischbestand

Freier Blick auf seltene Wasservögel

Archivartikel

Viernheim.„Das ist ein Kleinod, etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges“, schwärmt Henriette Wache vom Naturschutzgebiet „Oberlücke“. Eine neue Informationstafel am extra angelegten „Sichtfenster“ sorgt jetzt dafür, dass sich die Besucher direkt über die Tierarten informieren können, die sie beobachten.

Den älteren Viernheimern ist das Gebiet, rechter Hand von den Schrebergärten am Forst, als große Sandabbaufläche im Gedächtnis. Später war das stehende Gewässer als Biotop bekannt. Offiziell heißt das Naturschutzgebiet „Oberlücke von Viernheim“ und ist vor allem für Wasservögel ein wertvolles Refugium. Zwar machten bisher kleine Schautafeln auf das Naturschutzgebiet aufmerksam. Dennoch gingen in der Vergangenheit vermehrt Anfragen von Viernheimer Bürgern beim Kompass-Umweltbüro, beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bei Hessen-Forst und auch der Stadt Viernheim ein, das Informationsangebot zur „Oberlücke“ auszudehnen.

Gemeinsam überlegten Henriette Wache vom Regierungspräsidium Darmstadt, Margit Schneider von Kompass, BUND-Vorsitzender Peter Dresen, Förster Markus Hörner und Roland Matern vom Amt für Stadtentwicklung und Umweltplanung, wie das umzusetzen sei. „Dieser Bereich hier war vor einigen Wochen noch zugewachsen“, sagt Erster Stadtrat Jens Bolze und deutet dabei auf das neu angelegte „Sichtfenster“. Etwa in der Mitte des Biotops ist eine Plattform mit zwei Bänken geschaffen worden, von der aus die Wasserfläche gut zu beobachten ist. Eine Barriere, vom Projekt „Startklar“ des Vereins Förderband gebaut, versperrt den Weg ans abschüssige Ufer. Denn weiter darf der Beobachter nicht gehen.

Es handelt sich um ein Prozessschutzgebiet, in dem die Fläche ganz der Natur überlassen wird. „Die natürlichen Prozesse kann man hier beobachten wie sonst nirgendwo“, betont Henriette Wache. Deshalb herrsche dort ein absolutes Betretungs- und Nutzungsverbot für die Menschen.

Kanadagans und Stockente

Damit die interessierten Naturfreunde auch wissen, welche Enten und Gänse sie am und im Wasser gerade sehen, ist eine neue Informationstafel erstellt worden, die Henriette Wache und Jens Bolze feierlich enthüllen. Auf der Tafel sind die Vogelarten zu sehen, die im Naturschutzgebiet beheimatet sind oder sich dort niedergelassen haben. „Ein Nilpferd habe ich noch nicht gesichtet, dafür gibt es hier Nilgänse, die ursprünglich aus Afrika kommen“, nennt Bolze ein Beispiel. Auch die Kanadagans ist keine „gebürtige“ europäische Art, aber seit Jahrzehnten auch in Deutschland heimisch. Graureiher, Blässhuhn oder Stockente sind oft in Gewässern zu sehen, aber es gibt auch Besonderheiten im Naturschutzgebiet: „Die Schnatter-enten sind sehr seltene und scheue Vögel“, sagt Henriette Wache und zeigt sich begeistert darüber, dass dieser Zugvogel in Viernheim zum Standvogel geworden ist.

Kormorane kommen regelmäßig zum Fischen ans Gewässer. „Sie reduzieren den Fischbestand, das ist uns gerade recht“, erklärt BUND-Chef Peter Dresen. Das bringe nämlich den seltenen Zwergtaucher zurück, der sich ungern in fischreichen Gebieten aufhalte.

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