Viernheim

Bildung „Respekt Coaches“ arbeiten Konflikte von Jugendlichen an der Alexander-von-Humboldt-Schule auf / Bundesjustizministerin Lambrecht zu Gast

Für Toleranz – gegen Mobbing

Archivartikel

Viernheim.„Jugendliche bringen ihre ganze Lebenswelt mit in die Schule“, erzählt Sarah Dickmeis. Damit Konflikte, die aufbrechen oder entstehen könnten, aufgearbeitet und besprochen werden, arbeitet die Pädagogin als so genannter „Respekt Coach“.

Seit dem 1. August 2018 läuft das Primärpräventionsprogramm „Respekt Coaches“ an der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH). Nach Ablauf des Schuljahrs 2018/2019 erläutern die Beteiligten gegenüber der Presse, wie die Inhalte an der kooperativen Gesamtschule umgesetzt wurden. „Man sieht erste Erfolge des Programms; man spürt, dass da etwas in Bewegung geraten ist“, berichtet Schulleiterin Cornelia Kohl, die an ihrer Schule „vielfältige Herausforderungen“ sieht.

„Sprachlicher, familiärer, gesellschaftlicher Hintergrund“, zählt Christine Lambrecht einige Beispiele dafür auf. Die Bundesjustizministerin aus Viernheim nimmt als Bundestagsabgeordnete an dem Gespräch in der AvH teil und betont: „Obwohl Schule und Bildung eigentlich Ländersache ist, hat der Bund dieses wichtige Projekt initiiert.“ Es sei wichtig, dass soziale Kompetenzen, abseits des Unterrichts, gestärkt werden, erklärt Christine Lambrecht: „Damit legt die Schule die Grundlagen für das spätere Leben jedes einzelnen Schülers.“

Der Bund hat das Programm an den Jugendmigrationsdienst angehängt. „Wir profitieren stark von dieser Vernetzung“, sagt Irene Finger, Leiterin des Diakonischen Werks Bergstraße. Zwei Mitarbeiter, Sarah Dickmeis und Stefan Grünewald, sind als „Respekt Coaches“ an der Europaschule im Einsatz. „Sie sind täglich vor Ort, direkt in der Schule“, führt Marion Persson, Bereichsleiterin des Jugendmigrationsdienstes, aus.

„Nur so macht die Arbeit auch Sinn“, bestätigt Sarah Dickmeis. Sie erzählt aus der praktischen Arbeit der Coaches. In der Primärprävention gehe es zwar darum, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Im ersten Jahr an der AvH hätten die Coaches aber vordergründig akute Probleme aufgearbeitet, wenn Lehrer Auffälligkeiten innerhalb der Klasse bemerkt hätten. „Wir führen ein soziales Training in den Klassen durch und versuchen damit, die Konflikte aufzuarbeiten“, erläutert Sarah Dickmeis.

Jederzeit ansprechbar

Die „Respekt Coaches“ sind auch jederzeit ansprechbar für Schüler, die mit ihren individuellen Problemen jemanden zum Reden brauchen. „Die Schüler wissen inzwischen, dass immer jemand da ist, an den sie sich wenden können“, macht Cornelia Kohl deutlich.

Die Schulsozialarbeit werde außer durch die beiden „Respekt Coaches“ noch durch eine „UBUS“-Kraft (Unterrichtsbegleitende Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte) abgedeckt. Der Etat des Programms „Respekt Coaches“ erlaubt es unter anderem auch, externe Referenten einzuladen. „Wir hatten Theaterpädagogen an der Schule, die aktuelle Themen mit den Klassen der Jahrgangsstufe sieben aufgearbeitet haben“, nennt Sarah Dickmeis vom Diakonischen Werk ein Beispiel. Schule, Träger und „Respekt Coaches“ eint der Wunsch nach einer Fortführung des Programms, das zum 31. Dezember kommenden Jahres ausläuft.

„Es ist für Schulen wesentlich einfacher, wenn man nicht von einem Programm ins nächste übergeht“, findet Oberstudiendirektorin Cornelia Kohl. „Planungssicherheit über 2020 hinaus macht es einfacher, auch gutes Personal zu bekommen“, fügt Irene Finger hinzu.

Unterstützung aus Berlin

Bei Justizministerin Christine Lambrecht stoßen die Verantwortlichen mit ihrem Anliegen auf offene Ohren: „Wenn ich nicht schon vorher von dem Programm überzeugt gewesen wäre, dann wäre ich es jetzt“, nimmt die Bundespolitikerin der SPD das positive Feedback mit in die Hauptstadt Berlin.

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