Viernheim

AMS I Lateinisches Theaterstück des Differenzierungsunterrichtsfachs „Fabulam agamus“ zieht Zuschauer in seinen Bann

Gäste brauchen kein Latinum

Viernheim.Wer hat Senator Claudius getötet? Diese Frage beantworten die Neuntklässler der Albertus-Magnus-Schule (AMS) auf der Bühne. Die Schüler des Differenzierungsunterrichtsfachs „Fabulam agamus“ haben ein Schuljahr lang ein lateinisches Theaterstück mit Lehrerin Simone Muth eingeübt.

Doch, um die Handlung zu verfolgen, braucht man als Zuschauer kein Latinum – die Schüler sprechen deutsch und lassen nur manchmal lateinische Ausdrücke einfließen. Die versteht man dann aus dem Zusammenhang, auch ohne Latein in der Schule gelernt zu haben. Das Stück „O tempora, o mores“ greift aber nicht nur die lateinische Sprache auf, sondern gibt auch einen Einblick, wie die alten Römer gelebt haben – der Vater ist der unangefochtene Hausherr, die Sklaven sind unfrei und haben zu gehorchen, am Abend wird bei der „cena“ gegessen und über allem wachen die römischen Götter.

So beobachten bei der Aufführung die Götter Vesta, Apollo, Minerva und Bacchus, was sich im Hause von Senator Claudius ereignet und kommentieren das Geschehen auf göttliche Art und Weise: „O tempora, o mores“ klagen sie über den Verfall der Sitten. Mit dem Ausruf „Pater mortus est“ macht Lucius, Sohn des Hauses eine erschreckende Entdeckung. Sein Vater, der Senator, liegt tot auf der Liege. „Du bist jetzt der dominus“, stellt seine Gattin Superba fest und fordert mit einer eindeutigen Handbewegung: „pecunia!“ (Geld). Der zweite Sohn Marcus, der statt einer Politikerlaufbahn sich lieber als Detektiv durchs Leben schlägt, untersucht den Tod des Vaters. Er konsultiert den Arzt Hippokratus („die blauen Lippen könnten vom vinum kommen“) und befragt die Sklaven des Hauses. „Ignoro - ich weiß nicht“ bekommt er meistens zur Antwort. Als die Klageweiber den Toten beweint haben, erfährt die Geschichte eine Wendung. Denn der tote Mann ist nicht Marcus Claudius, sondern sein nicht bekannter Zwillingsbruder Titus Claudius. Das findet Marcus im Arbeitszimmer des Vaters heraus - und das erklärt, warum der Vater vor seinem Tod so wortkarg und abstinent war. Die Söhne ermitteln gemeinsam, dass man den Onkel mit Kräutern betäubt und mit einem schwarzen, runden, harten Gegenstand erschlagen hat. Sklave Mutus, der stumme Diener, gibt schließlich zu, dass er im Auftrag der Hausherrin (domina) mit einer Pfanne zugeschlagen hat.

Listig überführen Lucius und Marcus ihre Mutter als Mörderin – und am Ende torkelt auch der quicklebendige Claudius auf die Bühne.

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