Viernheim

Gedenken KDFB erinnert mit szenischer Lesung an das Schicksal von 13 christlichen Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück

Gebet spendet Trost während der Haft

Viernheim.„Es ist wichtiger, sich in das Wort Gottes zu vertiefen als den Volksempfänger zu hören.“ Für solche Aussagen wurde die Johanniterschwester Katharina Vierhaus 1940 verhaftet und in das Konzentrationslager Ravensbrück im heutigen Brandenburg gebracht. Sie wird mit zwölf anderen Frauen in der Ausstellung „Ravensbrück 1939 – 1945: Christliche Frauen im Konzentrationslager“ porträtiert, die derzeit in der Apostelkirche zu sehen ist.

Den Lebensweg und das Schicksal, die Beweggründe und den Glauben der Frauen nahmen die Damen des Katholischen Deutschen Frauenbundes, der die Ausstellung initiiert hat, bei einer szenischen Lesung in den Blick. 13 Frauen, ganz verschieden in Herkunft, Tradition, Alter und Konfession, wurden vorgestellt. Mit einem persönlichen Statement zur Haftzeit und der Glaubenspraxis bekamen sie eine Stimme.

So hörten die Besucher in der Apostelkirche von der Vikarin Katharina Staritz aus Breslau, den Quäkerinnen Gertrud Luckner und Marie Pleissner, der französischen Katholikin Yvonne Pagniez oder der Pfadfinderin Jozefa Kantor aus Polen. Der Aufenthalt im KZ forderte alle Frauen. Bianca Pagannini Mori beschrieb es so: „Im KZ musste man hassen, um zu widerstehen und zu überleben – auch gegen unsere religiöse Überzeugung. Wir mussten leben, um anderen zu berichten, dass es dieses Grauen tatsächlich gegeben hat.“

Ihr Glauben half den inhaftierten Frauen: „Mein Herz rang sich zum Gebet durch, und das gab mir Trost. Einen Trost, der mich die ganzen Jahre der Haft nicht verlassen hat“, erzählte Käthe Mangold, Vorsitzende des KDFB Frankfurt, später. „Es kam vor, dass sie eine Textauslegung fünfmal am Tag in verschiedenen Ecken des Schlafsaales wiederholten“, berichtet Cornelia Ten Boom von den heimlichen Andachten zweier Ordensschwestern. Die Schwestern habe man nur daran erkennen können, dass sie die Augen zum Himmel erhoben hatten und unaufhörlich Gebete murmelten, erinnerte sich die Ordensfrau Katarina Teresa Stepa.

Von Maria Anna Hilfrich ist überliefert, dass sie ihren Rosenkranz vor den Aufseherinnen versteckte. Maatje de Jonge van den Heuvel wurde nur entlassen, weil sie ihrem Glauben als Zeugin Jehovas abschwor.

Mutter Marija, Nonne der russisch-orthodoxen Kirche, ist die einzige porträtierte Frau, die das Konzentrationslager nicht überlebte. Man erzählt sich, sie hätte den Platz einer jungen Mutter in der Gaskammer eingenommen. Jede Frau wurde in der Apostelkirche mit einem Licht symbolisiert, das zwischen einen ausgerollten Stacheldraht gestellt wurde. Am Ende erhellten die Lichter dann einen großen Tisch in der Ausstellung, an verschiedenen Plätzen lagen die Lebenswege der 13 Frauen zum Nachlesen aus.

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