Viernheim

Gebeutelte CDU

Martin Schulte zur Bürgermeisterwahl in Viernheim

Mit der Kandidatur des FDP-Mannes Bernhard Kammer als Bürgermeister bewahrheitet sich, was im politischen Betrieb Viernheims und unter den Beobachtern längst vermutet wurde: Die CDU ist nicht in der Lage, eine Frau oder einen Mann aus den eigenen Reihen zu präsentieren. Die CDU ist mit ihren 15 Sitzen die größte Fraktion im Stadtparlament – das macht ihre Kür Kammers so prekär.

Es gilt bei dieser Betrachtung jedoch im Blick zu behalten, dass sich die Kandidaten der Partei inzwischen vier Mal am aktuellen Amtsinhaber Matthais Baaß (SPD) verschlissen haben. Zu Beginn von Baaß’ Bürgermeister-Karriere traf es 1997 Heinz Klee. Ihm folgte keine geringerer als Martin Ringhof; dem langjährigen Ersten Stadtrat konnten selbst Hausmacht und Popularität nicht helfen. Dann kam mit Sigrid Haas eine weitere namhafte Viernheimer Figur regelrecht unter die Räder gegen Baaß. Zuletzt scheiterte Ringhofs zweiter Anlauf. Was die Bürgermeister-Frage betrifft, ist die CDU eine gebeutelte Partei in Viernheim. Und die Furcht vor einer fünften Niederlage ist nun offenkundig zu groß.

Das souveräne und in der Regel lautlos zugewandte Agieren von Matthias Baaß an der Verwaltungsspitze und in der Stadt seit mehr als 23 Jahren stellt indes tatsächlich eine große Herausforderung für jeden Gegenkandidaten dar. Dass die CDU keinen eigenen Kandidaten stellt, heißt ja noch lange nicht, es gibt dort keinen Menschen, der das Zeug hätte, Baaß gefährlich zu werden. Fakt ist aber, dass diese Leute in der Deckung bleiben.

Kempfs befremdliches Manöver

Bastian Kempf wäre als Erster Stadtrat zumindest nominell, also des Amtes wegen prädestiniert für die Annahme dieser Herausforderung. Er hat aber, statt sich diplomatisch klug zurückzuhalten, die Attacke bevorzugt und Teile der politischen Akteure einer Kampagne bezichtigt – gegen ihn persönlich, und zwar, weil seine Gesundheit angeschlagen ist. Dass Kempf die vermeintlichen Drahtzieher nicht liefert, macht sein Manöver umso befremdlicher. Selbst eingefleischte CDU-Granden in Viernheim sind „von den Socken“ ob dieses Vorwurfs – der, wie gesagt, bislang nicht haltbar erscheint. Kempf hat sich seine Anschuldigungen bestimmt nicht aus den Fingern gesogen. Aber sein Umgang damit ist unprofessionell.

Jetzt hat Viernheim eine Wahl

Bastian Kempf wäre aus dem Schneider gewesen mit dem Verweis darauf, sich zunächst einmal als Erster Stadtrat beweisen zu wollen, statt nach noch nicht mal einem Jahr in diesem Amt weiter hinauf zu streben. Von der diplomatischen Lösung einmal abgesehen: Damit hätte Kempf eine inhaltlich wirklich gute Entscheidung getroffen. Nun steht er beschädigt da.

Mit Blick auf die Bürgermeisterwahl am 14. März nächstes Jahr gibt es aber diese gute Nachricht: Die Viernheimer haben eine Wahl zwischen (mindestens) zwei Kandidaten. Dafür allein gebührt Bernhard Kammer Respekt. Wäre Matthias Baaß einziger Kandidat geblieben, hätte die Demokratie einen enormen Dämpfer erlitten.

 
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