Viernheim

Informations-Veranstaltung Viernheimer Netzwerk Demenz organisiert Vortrag mit Prof. Dr. Bär von der Universität Heidelberg

Gebündelte Hilfe für Pflegende von Demenzpatienten

Archivartikel

Viernheim.Die Bedeutung und Anerkennung des Viernheimer Netzwerks Demenz wurde bei einer Veranstaltung in der voll besetzten Kulturscheune erneut eindrucksvoll bestätigt. Als Referentin konnte die Altersforscherin Prof. Dr. Marion Bär vom Institut für Gorontologie der Universität Heidelberg gewonnen werden. In ihrem Forschungsbereich erkundet sie Möglichkeiten, betroffenen Patienten Lebenssinn und Lebensfreude zu erhalten. Das war auch das Thema ihres Vortrags, mit dem sie pflegenden Angehörigen Mut zu neuen hilfreichen Versuchen machte.

Die Angst vor der Krankheit

In ihrem Vortrag tauchte ständig die Frage auf „Was kann ich tun, um dem dementen Vater das Leben wieder schöner zu machen?“ Das Fragezeichen zeigte jedoch an, dass nach solchen Hilfen meist lange gesucht werden muss. In der Bundesrepublik gibt es vermutlich fünf Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Die Angst vor dieser Krankheit ist weit verbreitet und kommt gleich hinter der Angst, an Krebs zu erkranken. Dies sei die Folge des raschen Alterungsprozesses. Vor 20 Jahren sei dies alles noch kein Thema gewesen, stellte die Referentin fest. Deshalb habe man noch zu wenige Vergleichsbeispiele für wirksame Hilfe bei der Behandlung von Demenzpatienten.

Bereits bei ersten Anzeichen, die auf eine baldige Demenzerkrankung schließen lassen, sei es wichtig, diese Menschen zu mehr eigener Kreativität anzuhalten. Nach Einritt der Krankheit werde es wesentlich schwieriger, diese Aktivität zu erreichen. Jetzt komme es darauf an, wie man wieder Interesse an Dingen des Alltags bei dem Patienten erweckt. Als Hilfe für die Erinnerung habe man vertraute Musik abgespielt. Ganz plötzlich könne man bei Ereignissen im öffentlichen Leben auch Erinnerungen eines Menschen aktivieren und vermehren.

Verlust der Kontrolle

Wichtig sei es, zu erfahren, was dem demenzkranken Menschen am Herzen liegt, welchen Sinn er für sein Leben empfindet, zu erkunden, was war und was bleibt. Den verbliebenen Teil des Lebens wieder mit Lebenssinn und Lebensfreude zu versehen, müsse das Ziel einer Hilfe sein. Dabei könne die Familie eines Betroffenen immer wieder glückliche Momente erleben. Oft scheitert das Wohlbefinden an dem Verlust der Kontrolle über die alltäglichen Notwendigkeiten. Was für ein Glück, wenn es gelingt, die wichtigsten Kontrollen im Verlauf eines Tages wieder zu vermitteln.

Natürlich sind mit der Pflege eines solchen Patienten auch persönliche Ängste verbunden, beispielsweise der Gedanke „Ich muss gesund bleiben“. Bei solchen Angstzuständen haben betroffene Familien im Viernheimer Netzwerk Demenz immer Ansprechpartner und Helfer. Das zeigte sich auch bei den vielen Fragen aus dem Publikum nach dem Vortrag von Dr. Bär, die noch lange über Anregungen und Vorschläge aus dem Publikum diskutierte. Jedenfalls wissen die pflegenden Angehörigen eines Demenzpatienten, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind, sondern jederzeit Rat und Hilfe erhalten. Das hat der Vortrag der Professorin Dr. Bär überzeugend bestätigt. H.T.

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