Viernheim

Volkstrauertag Norbert Schübeler blickt nach Polen

Gedenken an die Opfer der Kriege

Archivartikel

Viernheim.. „Von einer Minute auf die andere verwandelte sich die Idylle des Marktplatzes mit Marktständen, Waren und unbeschwerten Menschen nach Angriffen von Tieffliegern in ein rauchverhangenes, blutiges Schlachtfeld mit toten und verwundeten Frauen, Männern und Kindern.“ Das Szenario vom September 1939, das Stadtverordnetenvorsteher Norbert Schübeler am Volkstrauertrag beschreibt, wird alljährlich in Mława nachgestellt. Damit will Viernheims Partnerstadt aufmerksam machen auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. „Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten“, erklärt Schübeler. Seine Rede trägt den Titel „Bereitschaft zur Erinnerung“.

Bei der Feierstunde gedenken die Viernheimer in der Kapelle des Friedhofs Lorscher Straße der Opfer der beiden Weltkriege und aktueller Konflikte. Die Stadt, der Sozialverband VdK und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge laden jährlich zu dieser Veranstaltung ein.

Organist Hermann Wunderle eröffnet die Veranstaltung mit „Organ-Voluntary Op. 6“ von John Stanley und schließt mit „Clair De Lune“ von Claude Debussy. Der Chor der Sänger-Einheit trägt „Tebe Moem – O Herr, gib Frieden“ und „Im Dorf da geht die Glocke schon“ vor. Das Orchester von Musik hoch drei umrahmt die Feierstunde mit „Heilig, Heilig“ von Franz Schubert, „Ich hatt’ einen Kameraden“ und „Dona Nobis Pacem“.

Ein bewusstes Erinnern an Krieg, Vertreibung und Flucht ist für Norbert Schübeler wichtig: „Ansonsten macht sich das Vergessen breit.“ 90 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blickt der Parlamentschef auf die damalige Situation in Polen. „Das polnische Leid war unvorstellbar. Die Polen wurden in der Nazi-Rassenideologie als minderwertige Rasse betrachtet. Es gibt wohl keine Familie, die nicht vom Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzung betroffen war“, sagt Schübeler.

Aufruf zur Versöhnung

Nicht nur am Volkstrauertag müsse man sich die Frage nach angemessenen Formen des Gedenkens stellen: „Wir müssen uns auch den Erinnerungen unserer Nachbarn öffnen, wirklich zuhören und zum Lernen bereit sein.“ Versöhnung zwischen den Nationen, freundschaftliche Beziehungen und partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe – wie die Städtepartnerschaft zwischen Viernheim und Mława – könnten sich auf Dauer nur entwickeln, wenn die Vergangenheit ehrlich benannt werde.

Mit dem Totengedenken ehren Schübeler, Alois Thurner (VdK) und Randoald Reinhardt (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) die Opfer. Zum Gedenken werden die Kränze am Denkmal für die Gefallenen auf dem Friedhof abgelegt. su

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