Viernheim

Kultur Jugendliche des südafrikanischen Entwicklungsprojekts Vulamasango beeindrucken mit ihrem Auftritt in der Marienkirche

Gesang stemmt sich gegen Elend

Archivartikel

Viernheim.Südafrika zählt zu den Traumzielen von Touristen aus aller Welt. Die wenigsten von ihnen erhalten aber einen Blick hinter die für Reisende zu sehende Fassade. Dabei gibt es seit Jahrzehnten großes Elend und Leid am Zipfel des schwarzen Kontinents. Davon haben die Lieder eines afrikanischen Chors des Entwicklungsprojekts Vulamasango (offene Tore) aus Kapstadt berichtet, der am Freitagabend in der Marienkirche gastierte.

Die Gruppe hatte schon vor zwei Jahren in der Hildegardkirche einen Auftritt, allerdings in anderer Besetzung. „Wir versuchen immer wieder, andere junge Sänger mit auf die Tour zu nehmen, dazu muss stets ein Papierkrieg mit den Behörden geführt werden. Leider musste ein Mädchen zuhause bleiben, weil die Unterlagen nicht rechtzeitig fertig geworden sind“, bedauerte der deutsche Sozialarbeiter Florian Krämer.

Stärke und Kraft

Das Konzert war eine Kooperationsveranstaltung von chaiselongue, Focus und dem Weltladen, die allesamt an der Thematik arbeiten. Das sind Kunst, Kultur und Soziales, die Arbeit mit Burkina Faso sowie der gerechte Handel mit der Dritten Welt.

Der Auftritt bot unter dem Namen „Amandla“ Gesang, Tanz und ein Trommelkonzert. „Amandla“ steht für Stärke und Kraft und war der Ausruf des Apartheid-Bekämpfers – mit erhobener Faust hatte Nelson Mandela dies gerufen, und das Volk hat geantwortet „Ngawethu“ (für uns) – also: ein Ruf nach Demokratie („Power to the people“).

Die verarmten, verwaisten, missbrauchten und vernachlässigten Jugendlichen aus dem Entwicklungsprojekt Vulamasango in einem Armenviertel in Kapstadt stehen für eine gerechtere Welt ein, in der sie geliebt und geschätzt werden, in der sie als stolze und würdevolle Menschen aufwachsen, in der sie Bildung erhalten und einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegen blicken dürfen. Das Projekt Vulamasango gibt den Jugendlichen diese Hoffnung und bietet einen Ort der Zuflucht. Geleitet von Chorleiter Lusanda Bali, der Choreographin Akhona Stuurman und Florian Krämer treten Jugendliche seit 2008 alle zwei Jahre (in der Vergangenheit unter dem Namen Zabalaza/Vulingoma) europaweit mit überwältigendem Erfolg auf.

Kritischer Blick auf die Politik

Volle Säle, Standing Ovations und zu Tränen gerührte Zuschauer sind die Regel. So erging es auch Besuchern in Viernheim. In ihrer überragenden Bühnendarstellung singen, tanzen und trommeln die Akteure mit Gospelsongs, Antiapartheidsliedern und alten, afrikanischen Volksliedern in die Herzen der Menschen.

Da die Kinder und Jugendlichen meist schwere Schicksale hinter sich haben, ist es umso erstaunlicher, mit welcher Kraft und Energie sie auf der Bühne stehen, um durch Musik und Tanz beinahe therapeutische Arbeit an sich selbst zu leisten und zu beweisen, dass auch die schlimmsten Erlebnisse überwältigt und in etwas Positives verwandelt werden können.

Zwischen den Liedern berichtete Florian Krämer in einem Lichtbildervortrag von den durch Aids und Kriminalität geprägten Schicksalen der Kinder, von einem jahrelangen Kampf gegen Südafrikas katastrophale Bildungs- und Aidspolitik und von der hoffnungsvollen Arbeit im Projekt Vulamasango.

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