Viernheim

Integration Podiumsdiskussion der Initiative „Ich bin ein Viernheimer“ / Teilnehmer pochen auf Veränderungen im Umgang mit Migranten

„Gesellschaft ist gefordert“

Archivartikel

Viernheim.Für Seán McGinley, ist klar, dass sich in der Gesellschaft einiges ändern muss. Wenn man einem Migranten die Frage stelle: „Woher kommst Du?“ und er antworte: „Aus Viernheim“, müsse es selbstverständlich werden, dass dann nicht weiter nachgefragt werde. Diese Meinung vertrat der hauptamtlicher Leiter der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg beim ersten Dialogforum „Integration durch Dialog“. Diese Podiumsdiskussion fand auf Einladung der Initiative „Ich bin ein Viernheimer“ der Pfarrei St. Hildegard-St. Michael im Pfarrer-Volk-Haus statt. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Kibreab Habtemichael von der Organisation „Helping Hands“.

Seit 40 Jahren in Deutschland

Neben McGinley saßen noch die Mannheimer Unternehmerin Aranchi Hagos, die vor rund 40 Jahren aus Somalia nach Deutschland gekommen war, und der SPD-Stadtverordnete Hussein Atris mit auf dem Podium. Ziel der Veranstaltung war eine Bestandsaufnahme der Integration von Flüchtlingen in Viernheim. Hierbei sollten positive Fälle vorgestellt und Herausforderungen angesprochen werden. Habtemichael kündigte an, dass es nun alle zwei Monate eine solche öffentliche Diskussion geben soll.

Zunächst befragte er die Diskussionsteilnehmer zu ihren Eindrücken zum Zeitpunkt der Grenzöffnung im Jahr 2015. McGinley sagte, für ihn sei es eine historische Situation gewesen, dass sich Menschen in Not in Sicherheit bringen konnten und Deutschland damit seiner humanitären Verantwortung gerecht geworden sei. Während früher die Unterbringung und die Asylverfahren im Mittelpunkt gestanden hätten, so McGinley beträfen die größten Probleme heute den Familiennachzug, die Sprachkurse und die Vermittlung einer Arbeitsstelle. Der politische Wind habe sich gedreht. Aufenthaltsrechtliche Bestimmungen würden verschärft, der Aufenthaltsstatus werde unsicherer, was wiederum Unternehmer zögern lasse, Migranten einzustellen.

Der Stadtverordnete Atris bedankte sich bei der Gemeinde St. Hildegard-St. Michael dafür, dass deren Mitglieder schon viele Berufspraktika vermittelt haben und aus ihren Reihen viele Tandempartner und Berufslotsen kommen.

Positives Beispiel

Als positives Beispiel für Integration stellt sich die Unternehmerin Hagos vor. Nachdem sie 30 Jahre bei der Post gearbeitet hatte, machte sie sich vor rund zehn Jahren selbstständig. Mit Elf Mitarbeitern, davon vier Frauen, betreibt sie heute ein Unternehmen das in der Gastronomie-, Kosmetik- und Frisörbranche tätig ist.

McGinley erklärte, dass Integration für ihn keine Einbahnstraße sei. Die Flüchtlinge seien dabei nicht alleine gefordert. Neben der Weiterentwicklung der Gesellschaft zu einer Einwanderungsgesellschaft müsse allen Flüchtlingen der gleichberechtigte Zugang zu allen vorhandenen Ressourcen gewährt werden. Brigitta Eckert vom Verein Lernmobil sagte in der sich anschließenden lebhaften Diskussion, dass die Denkweise, dass ein Mensch, der aus Deutschland komme, ein bestimmtes Aussehen habe, nicht mehr zeitgemäß sei.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional