Viernheim

Bildung Klimaaktivist Paul Giure hält Vortrag über den Klimawandel an der Alexander-von-Humboldt-Schule

„Gesetze zu ändern ist wichtiger“

Archivartikel

Viernheim.Der in Bensheim wohnende Engländer Paul Guire ist ein sogenannter „Climate Reality Leader“, ein Botschafter der vom ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore initiierten Organisation „Climate Reality Project“. Er hielt einen zweiteiligen Vortrag vor Schülern der Alexander-von-Humboldt-Schule über den Klimawandel. Al Gore verlor die US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 gegen George W. Bush. Seine „dritte Karriere“ ist die eines Klimapropheten.

Gores Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“, in dem er seine Sicht auf wissenschaftliche und politische Aspekte der globalen Erwärmung vermittelte, wurde 2007 als bester Dokumentarfilm mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Um die internationalen Klimaschutzziele – im Kyoto-Protokoll von 1997 wurden erstmals Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern festgelegt – bekannter zu machen gründete Gore das „Climate Reality Project”, das dem Aufbau einer internationalen Klimaschutzlobby dient. Weltweit wurden bisher im Rahmen dieses Projektes rund 14 000 „Climate Reality Leaders“ in 140 Ländern ausgebildet, die als Multiplikatoren das Bewusstsein für die Klimakrise schärfen und zu einem politischen Wandel beitragen sollen.

Ausstieg aus fossiler Energie

Im ersten Teil des Vortrags – zu dem die Presse nicht eingeladen war – ging es um die Ursachen des Klimawandels und dessen Folgen für die Umwelt. Im zweiten Teil zeigte Paul Guire – der heute Co-Direktor der Firma ArSta eco im indischen Bangalore ist, die Bio-Gas und Bio-Grillkohle herstellt – mit welchen Mitteln dem nach seiner Überzeugung vom Menschen gemachten Klimawandel begegnet werden kann. Dies sei der möglichst schnelle Ausstieg aus der Erzeugung von Energie mit fossilen Brennstoffen wie Kohle und deren Ersetzung durch „grüne Energie“.

Wie Guire den Schülern in seinem lebhaften und engagierten Lichtbildervortag vermittelte, wurden sämtliche Prognosen des Aufbaus alternativer Energieerzeugungsarten, also Windkrafträder, Photovoltaik-Anlagen, Biomasse, bisher bei weitem übertroffen. Bei Windkraftanlagen weltweit um das 18-fache. So stiegen auch in den zurückliegenden 20 Jahren die in Deutschland installierten Windstromkapazitäten von unter fünf Gigawatt auf annähernd 60 Gigawatt, während sich die Kosten pro produzierter Stromeinheit auf ein Viertel reduzierten. Windkraft allein könne – so Guire – die sechsfache Strommenge des heutigen Verbrauchs erbringen. Dazu zeigte er ein weißen Dampf oder Rauch ausstoßendes Großkraftwerk.

Auch bei der Stromerzeugung aus Photovoltaik-Anlagen sei die Prognose des jährlichen Zuwachses an Kapazitäten aus dem Jahr 2002 um das 17-fache übertroffen worden, während gleichzeitig die Kosten für private Photovoltaik-Anlagen von 2010 bis 2017 um 57 Prozent abnahmen. Im April 2018 übertraf die Stromerzeugung durch Wind- und Photovoltaikanlagen erstmals das Ergebnis bei der Erzeugung durch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen. Im Jahresdurchschnitt 2017 erreichten alternative Energieträger einen Anteil von 38 Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland.

Nach dieser Darstellung der Fortschritte der Energiewende redete Paul Guire mit seinen jungen Zuhörern über die gesellschaftlich-politischen Aspekte der Energiewende: Sieben Prozent der Deutschen glauben, dass die Regierung Anreize für den Umstieg auf alternativen Energieträger schaffen sollte. „Erhebt eure Stimme: In zwei bis vier Jahren habt ihr als Wähler etwas zu sagen“, war das Fazit seines Vortrags. Man solle zwar beim Einkaufen auf die Umweltverträglichkeit der Produkte achten, aber Gesetze zu ändern sei wichtiger, als Energiesparlampen zu installieren. „Macht euren politischen Repräsentanten klar, dass ihr sie danach beurteilt, was sie zur Lösung der Klimakrise tun“, lautete sein Appell an die Schüler.

Am Schluss befragte er die Schüler, was sie persönlich gegen die „Klimakrise“ tun können. Hierbei antworteten sie: die Eltern zu überreden, Photovoltaik-Paneele auf dem Hausdach zu installieren, nicht mehr so viel mit dem Auto zu fahren sowie kein oder weniger Fleisch zu essen. kos

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