Viernheim

Coronavirus Sillys Erster Stadtrat berichtet über Situation in der Partner-Gemeinde / Krankenpfleger und Hebammen ersetzen Ärzte / Landesweite Ausgangssperre

„Gesundheitsstationen sind nicht vorbereitet“

Archivartikel

Viernheim/Silly.„Glücklicherweise ist in Silly noch kein Fall von Corona aufgetreten“, berichtet Kamou Konate. Mit allen Mitteln versuche man, einen Ausbruch der Pandemie in der Gemeinde zu verhindern, betont der Erste Stadtrat in Viernheims Partner-Landkreis in Burkina Faso. Zwischen 19 und 5 Uhr gilt in dem gesamten westafrikanischen Land eine Ausgangssperre.

Schließlich sind in Burkina Faso bereits 99 Menschen positiv auf den Covid-19-Erreger getestet worden. Insgesamt fünf Corona-bedingte Todesfälle verzeichnete die US- amerkanische Johns-Hopkins-Universität in dem Land am Montag.

Inzwischen wurden die Grund- und weiterführenden Schulen im Landkreis Silly geschlossen und sollen auch mindestens bis zum Ende des Monats nicht wieder öffnen, erklärt Konate. Durch die Corona-Krise müsse zudem der Aufnahmetermin für die neuen Auszubildenden des Berufsbildungszentrums (wir berichteten) vorerst verschoben werden. Landesweit seien die Universitäten und viele öffentliche Einrichtungen von Schließungen betroffen, um – analog zu den europäischen Maßnahmen – eine Verbreitung des Virus so gut es geht einzudämmen.

Kontrollen kaum möglich

Kamou Konate betont, die Bevölkerung von Silly halte sich an die vorbeugenden Maßnahmen, wie zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen. Neu sei ein Aufruf, dass ab sofort auch in den Moscheen kein Freitagsgebet und keine gemeinsamen Veranstaltungen wie beispielsweise Hochzeiten, Beerdigungen oder Taufen mit mehr als 50 Personen mehr stattfinden sollen, so Konate.

Dennoch mache sich die Angst vor einer Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger in der Bevölkerung breit. Flächendeckende Kontrollen seien in dem weitläufigen Landkreis kaum möglich. „Silly ist etwa doppelt so groß wie der Kreis Bergstraße und die weit verstreuten Dörfer und Weiler sind fast ausschließlich durch Trampelpfade verbunden.“ Viele Menschen könne man nur über Info-Kampagnen der Gesundheitsstationen sowie über die Radiostation in Fara erreichen, erklärt Konate.

In Burkina Faso gibt es jedoch kaum Möglichkeiten, sich auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. „Die Dunkelziffer an Erkrankten dürfte also deutlich höher sein“, sagt Manfred Weidner vom Viernheimer Partnerschaftsverein Focus. „Die einfach ausgestatteten Gesundheitsstationen im Landkreis Silly sind für den Fall einer Epidemie nicht vorbereitet“, macht der Erste Stadtrat von Silly deutlich. Nicht gerade förderlich sei es, so Konate, dass die Krankheitssymptome in der Anfangsphase der weit verbreiteten Malaria ähneln. Das Personal der Gesundheitsstationen seien keine Ärzte, sondern Krankenpfleger und Hebammen, die mit den begrenzten Mitteln zurechtkommen müssen.

„Erschwerend kommt hinzu, dass etwa 800 000 Menschen vor den terroristischen Gruppen im Norden auf der Flucht sind und kaum Zugang zu Gesundheitsstationen haben“, erklären Klaus Hofmann und Judith Lipp vom Focus-Vorstand. „Viele Gesundheitsstationen im Norden sind verwaist und die Dorfhelfer können oft nur einfache Wunden versorgen.“ Es bestehe die akute Gefahr, dass sich die Pandemie in Afrika noch schneller als in Europa ausbreite „und es vermutlich deutlich mehr Todesfälle geben wird“.

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