Viernheim

Religion Gemeinden übertragen Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie im Internet / Pfarrer Ronald Givens betont Verantwortung für den Schutz des Lebens

Gläubige feiern Weihnachten zuhause

Archivartikel

Viernheim.„Juchu“, freuen sich die vier kleinen Engel laut und überschwänglich. Beim kurzen Anspiel vor der Friedenskirche verkünden die Himmelsboten die Botschaft von der Geburt Jesu. „Weihnachten bedeutet, dass Gott uns einlädt“, erklärt Pfarrerin Irene Dannemann.

Mehr als 2000 Jahre nach der Geburt eines kleinen Kindes in einem Stall in Bethlehem feiern die Viernheimer das Weihnachtsfest. Doch 2020 fällt dieses Fest ganz anders aus als in den Vorjahren. Wegen der Corona-Beschränkungen gibt es keine großen Feiern mit allen Verwandten, die Familien kommen im kleinen Kreis unterm Weihnachtsbaum zusammen.

Und auch der traditionelle Kirchgang fällt aus. Nach den evangelischen Kirchengemeinden hatte kurzfristig auch die katholische Kirche die Präsenzveranstaltungen abgesagt. „Wir haben mit der Frage gerungen, wie wir unserer Verantwortung für den Schutz des Lebens gerecht werden können. Denn dieser steht an erster Stelle. Vor unseren Bedürfnissen“, teilten die Hauptamtlichen am Tag vor Heiligabend mit. Trotz Hygienekonzepten und aller Vorgaben und Vorkehrungen seien die „Gottesdienste aber ein nicht zu bezifferndes Risiko“.

Die katholische Kirche hatte ohnehin „Weihnachten zuhause“ vorbereitet, mit einer Andacht zum Beten daheim und mit einer Weihnachts-CD. Eine solche hatten auch die evangelischen Gemeinden aufgenommen.

Zudem gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Weihnachtsgottesdienst online zu feiern und sich die Messe auf den heimischen Fernseher oder Computer zu laden. Pfarrer Ronald Givens greift in einer Andacht das Wort „vulnerabel“ auf. „Nie zuvor habe ich das Wort verwendet“, gibt der Pfarrer zu, „und doch rührt es an die tiefste Bedeutung von Heiligabend: verletzbar sein oder werden.“ Gott sei mit seiner Liebe in die Welt gekommen, weil andere die Vulnerablen geschützt haben: „Das Leben ist schutzlos. Aber es gibt uns, die wir an Heiligabend angefragt sind, das Leben zu schützen, das Gott mit uns teilt.“

Ein protestantischer Gottesdienst wird an Heiligabend live aus der Auferstehungskirche übertragen. Pfarrer Thomas Blöcher erinnert in der Predigt daran, wie dunkel es auch vor mehr als 2000 Jahren war, und wie Jesus in einem dunklen Stall geboren wurde. „Jesus, Gottes Licht für die Welt, hat das Dunkel der ganzen Welt aufgebrochen.“ So sieht Blöcher Weihnachten als ein Zeichen der Hoffnung für noch so finstere Tage.

Für Familien mit Kindern gibt es ebenfalls Videos im Internet. An der lebendigen Krippe spielen Kinder die Weihnachtsgeschichte nach. Die Mädchen und Jungen aus den vier katholischen Kindertagesstätten haben sich die Aufgaben aufgeteilt. Der evangelische Kinderchor hat die Botschaft mit dem Anspiel „Nein – Doch – Oooh“ digital umgesetzt. Nur die Krippenspiele für Familien an der Friedenskirche, dem Gemeindezentrum und in der Auferstehungskirche finden tatsächlich statt – mit kurzer Dauer und ausreichend Abstand zwischen den wenigen Teilnehmern.

Lebendige Krippe

Und auch wenn die Segnungsfeier ausfällt, zieht es an Heiligabend viele Familien mit Kindern an die lebendige Krippe. Kinder und Eltern bestaunen die Schafe, Kälbchen und Esel und stimmen sich so auf das Fest zuhause ein. Was sich 2020 nicht geändert hat: Vor allem die Kleinen warten sehnsüchtig auf das Christkind, den Weihnachtsmann und die Geschenke. Mit großen Augen werden die kleinen und großen Pakete unter den geschmückten Tannenbäumen bestaunt – und dann geht es ans Auspacken. Die Kleinen freuen sich über Puppen und Autos, Spiele und Puzzles. Bei vielen Jugendlichen liegen Spielekonsole oder neue Kleidung auf dem Gabentisch. Und die Ältesten freuen sich über Fotos oder das selbstgebastelte Geschenk der Enkel. Schenken gehört eben auch im Corona-Jahr zu Weihnachten dazu.

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