Viernheim

Goldene Regel beachten

Zu „Bill Gates kontrolliert die Regierung“, „SHM“ vom 12. Mai

Am vergangenen Samstag fand auch in Viernheim eine Demonstration wegen der Corona-Beschränkungen statt. Ich plädiere dafür, die davon ausgehenden Signale unbeachtet der zugrundeliegenden Motive ernstzunehmen. Wir alle wünschen uns, dass möglichst bald wieder normale Zustände herrschen.

Solange dies nicht der Fall ist, bleibt eine tiefgreifende Verunsicherung, die ganz unterschiedliche Gesichter zeigt. Sie macht sich breit in der Kluft zwischen dem Wunsch nach persönlicher Freiheit und politisch verordneten Beschränkungen.

In diesem Zwischenraum gibt es immer mehr Proteste, die auch einen schon länger latent vorhandenen Vertrauensverlust der Politik offenbaren. Mir geht es darum, nach Gemeinsamkeiten, nach einem gemeinsamen Nenner für alle besorgten Bürger zu suchen.

Worin könnte ein solcher Nenner bestehen? Eine unbestreitbare Tatsache: Das Virus ist in der Welt, und es ist sehr infektiös. Ferner ist es noch nicht vollständig entschlüsselt, und wir kennen weder genau den Ursprung, noch gibt es bislang ein wirksames Gegenmittel. Auch die Demonstranten können da nur (durchaus unterschiedlich) spekulieren. Ihnen sei jedoch gesagt: Sündenböcke zu suchen, hat im Laufe der Geschichte noch nie etwas Vernünftiges erbracht. Sie können sich dabei freilich mit Fug und Recht auf die von unserem Grundgesetz (GG) garantierte Meinungsfreiheit berufen. Allerdings ist das GG sozusagen unteilbar. Also gilt vor allem Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Auf die damit verbundenen ethischen Verpflichtungen möchte ich mit Nachdruck hinweisen. Darin sehe ich den uns allen gemeinsamen kleinsten Nenner. Darauf müssten wir uns doch verständigen können, oder?

Die ethische Grundlegung des Artikels 1 – daran sei hier erinnert – lässt sich aus der Bergpredigt ableiten, in der Jesus Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben aufstellt und uns auffordert, Gutes zu tun und sich gegenseitig zu helfen. Gemeint ist die sogenannte Goldene Regel: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Immanuel Kant griff das später in seinem kategorischen Imperativ auf, in dem es (populär formuliert) so heißt: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg’ auch keinem Andern zu.

Mein Fazit: Trotz aller Unterschiede in Argumentation und Spekulation sollte jede/jeder von uns allen darauf bedacht sein, sich und die Mitmenschen vor dem Virus zu schützen. Diese ethische Selbst-Verpflichtung ist meines Erachtens allerdings nicht verhandelbar.

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