Viernheim

Glaube Junge Katholiken diskutieren bei Versammlung über Zukunft der Kirche / Vertreter für Pfarrgemeinderäte gewählt

„Gottesdienste sind langweilig“

Archivartikel

Viernheim.Eine bessere Kommunikation mit den Verantwortlichen in den Pfarreien, die Finanzierung von Zeltlagern und Möglichkeiten, Gottesdienste für Jugendliche attraktiver zu gestalten, bildeten nun die Kernthemen bei einer Versammlung junger Katholiken.

Rund 40 Kinder und Jugendliche aus den Pfarreien Johannes XXIII. und St. HiMi waren der Einladung von Gemeindereferent Herbert Kohl gefolgt, der im Pastoralteam der neuen Pfarrgruppe für die Jugendarbeit zuständig ist. Eigentlich hatte Kohl auf bis zu doppelt so viele Teilnehmer gehofft, wie er im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“ erklärte. Verschickt wurden sogar rund 2000 Einladungen an Katholiken zwischen 9 und 27 Jahren.

Kohl hob in seiner Begrüßung hervor, dass es für die Verantwortlichen wichtig sei, zu wissen: „Was braucht ihr als Christen?“ Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt sollten die Teilnehmer Anregungen für die Pfarrgemeinderäte formulieren. Diese könnten zum Beispiel Liturgie und Gottesdienstformen, aber auch die Verkündigung betreffen. „Wir müssen anderen unseren Glauben bezeugen.“

Unter der Moderation von Harald Hofmann besprachen und sammelten die Teilnehmer teils in Gruppenarbeit, was sie an der momentanen Situation in den Pfarreien als schlecht empfinden, aber auch, was ihnen gefällt und was sie motiviert.

Messe moderner gestalten

Die 23-jährige Christina Beck, die sich in der KJG St. Michael engagiert, findet, dass vieles über den Kopf der Jugendlichen hinweg entschieden werde. Sarah Beyer, 18 Jahre alt und ebenfalls in der KJG St. Michael aktiv, möchte Gottesdienste für jüngere Leute attraktiver gestalten, um mehr von ihnen in die Kirche zu bekommen. Maximilian Martin, 23, Mitglied der Pfarrjugend St. Marien, stimmte dem zu. Er sieht vor allem Potenzial bei der Musik in den Gottesdiensten, die er gerne moderner gestalten würde. In der großen Runde bezeichnete eine junge Frau die Gottesdienste sogar generell als „langweilig“. Es kamen aber auch profanere Probleme zur Sprache. Ein junger Mann kritisierte, dass es oft schwierig sei, nach Jugendfreizeiten vorgelegtes Geld zurückzubekommen. Andere Teilnehmer bemängelten, dass Jugendräume oft nur eingeschränkt und nach komplizierter Absprache verfügbar seien.

Eine junge Frau machte sich Sorgen wegen des Mangels an Priestern, aber auch an Leitern. Aufgrund dieses Mangels sei es auch schwierig, Nachwuchs für die Jugendgruppen zu gewinnen. Viele Teilnehmer lobten aber auch die Gemeinschaft in den Pfarreien und äußerten den Wunsch nach mehr pfarreiübergreifenden Jugendveranstaltungen.

Kohl lobte das Engagement der Jugendlichen. „Ihr seid ein Aushängeschild für uns als Kirche.“ Er kündigte strukturelle Veränderungen an. So soll zum Beispiel jede Gruppe in Zukunft einen eigenen geistlichen Leiter wählen. Einmal im Monat soll es zudem eine Gruppenleiterrunde geben, um sich auszutauschen.

Später bestimmten die Jugendlichen noch ihre Vertreter für die Pfarrgemeinderäte. Für St. HiMi wurden Zoe Noordam und Christina Beck, für Johannes XXIII. Celia Thomas und Sebastian Winkenbach gewählt. Angetreten waren insgesamt sieben Kandidaten. Bisher waren die Vertreter der Jugendlichen immer zusammen mit den anderen Gremiumsmitgliedern gewählt worden.

Die Jugendversammlung mit Wahl ist Teil des Programms „Pastoraler Weg“ des Bistums Mainz, in dessen Rahmen möglichst viele Gläubige gemeinsam über die Zukunft der Kirche vor Ort beraten und diese mitgestalten sollen.

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