Viernheim

Natur Förster Markus Hörner spricht bei Waldspaziergang über Veränderungen durch den Klimawandel / Mehr als 70 Teilnehmer

Großer Andrang im Forst

Viernheim.„Eigentlich hatte ich nur mit einem Dutzend Teilnehmer gerechnet, wollte quer durch den Wald laufen. Jetzt sind so viele Leute gekommen, da müssen wir auf den Wegen bleiben“, war Markus Hörner, Förster für Naturschutz und Waldpädagogik, vom Andrang sichtlich überrascht. Den Viernheimern Grundschülern ist Hörner bestens bekannt, leitet er doch schon seit einigen Jahren das Projekt Junior-Förster, bei dem er Schulklassen den Wald und die Natur erklärt.

Neu ist der thematische Waldspaziergang, der vom Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) initiiert wurde und sich in erster Linie an Erwachsene richtet. „Den ersten Termin mussten wir wegen der hohen Temperaturen noch kurzfristig absagen, heute herrschen allerdings perfekt Bedingungen“, freute sich AWO-Mitarbeiterin Ulrike Hoock.

Mehr als 70 naturinteressierte Viernheimer hatten sich zum Treffpunkt am Bonanza-Spielplatz eingefunden, um Informationen über den Wald zu erhalten und Fragen zu stellen. „Ich will hier keine Vorträge halten, sondern aufklären. Schließlich gibt es viele Klischees, über die Arbeit des Försters, die man so nicht stehen lassen sollte“, forderte Hörner bei seiner Begrüßung zu einer regen Diskussion auf.

Das begann schon damit, dass sich eine Teilnehmerin über einen freilaufenden Hund echauffierte und Frauchen bat, das Tier anzuleinen. „Im Wald gibt es grundsätzlich keine Leinenpflicht. Die Kommunen können das für sich entscheiden, Lampertheim macht das, Viernheim nicht. Allerdings sollte der Halter auf das Tier einwirken können“, klärte der Förster auf. Ein weiteres Thema des Spaziergangs waren Problem durch Maikäfer, die den natürlichen Wald stark verändern. „Diese Tierchen sind anscheinend sehr sportlich, treten sie doch verstärkt in den Jahren auf, in denen eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet“, verriet Hörner mit einem Lächeln, dass die Käfer nur alle vier Jahre in Massen in den Wäldern einfallen.

Ein weiterer Schädling, allerdings ein deutlich größerer und hungrigerer, sei das Rehwild. „Diese Tiere fressen bis zu 13 Mal am Tag und bevorzugen zarte Pflanzen, suchen sich deshalb junge Triebe aus.“ Der Baumbestand hat aber nicht nur tierische Feinde, auch der Klimawandel und direkter menschlicher Einfluss machen der Natur zu schaffen. „Der Grundwasserspiegel ist an viele Stellen so tief, da kommen die Wurzeln nicht mehr dran. Hinzu kommt die Trockenheit in den vergangenen Jahren“, beklagt Hörner.

Drei prägende Landschaften

Der Bereich des Forstamts Lampertheim erstreckt sich über die Rheinebene bis in den Odenwald. Drei prägende Landschaftselemente geben dem Gebiet ein unverwechselbares Gesicht: das hessische Ried, die von Weinbergen gesäumte Bergstraße und der sich daran anschließende waldreiche vordere Odenwald. Bewirtschaftet werden etwa 16 500 Hektar Wald mit zehn Revierförstereien. Mit nur 49 Hektar nimmt Viernheim dabei einen ganz geringen Teil ein. „Dabei hat der Naturschutz stets Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit. Allerdings fehlt uns zu viel Personal, um den Vorgaben gerecht zu werden“, sieht Hörner Nachholbedarf. Ziel sei es, den Wald als funktions- und leistungsfähiges Ökosystem zu erhalten.

Nachdem der Wald zuvor wegen des Brennmaterials ausgeräumt worden war, gibt es seit Anfang des 18. Jahrhunderts Forstbetriebe. Der Wald wurde vermessen, in Bereiche eingeteilt und entsprechend bewirtschaftet. Zuletzt hat man sich sogar einer Zertifizierung unterzogen, was laut Hörner auch Nachteile mit sich bringt. „Kurz nachdem wir eine uralte Eiche unter Naturschutz gestellte hatten, wurde sie bei einem Sturm entwurzelt. Wir durften das Holz aber nicht verwerten, weshalb Material im Wert von 10 000 Euro verrottet ist.“

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