Viernheim

Kulturscheune Viernheimer Ägyptologe Michael Höveler-Müller hält interessanten Vortrag zur Eröffnung seiner Fotoausstellung

Hatschepsut - herrschsüchtig und skrupellos

Archivartikel

Viernheim.Herrschsüchtige Despotin. Eitle, ehrgeizige und skrupellose Frau. Böse Schwiegermutter. So lauten nur einige der wenig schmeichelhaften Charakterisierungen der Ägyptologen-Zunft über Ägyptens erste Pharaonin Hatschepsut (1507 bis 1458 v. Chr.) Zudem ist sie von vielen Mysterien umgeben, wie kaum ein ägyptischer Herrscher aus der antiken Blütezeit der ägyptischen Hochkultur.

Es begann schon damit, dass der berühmte Archäologe Howard Carter im Jahre 1903 ihr Grabmal im Tal der Könige leer vorfand. Einzig ein kleiner Flakon mit zwei dazugehörigen Schälchen und ein Holzkästchen mit einem Zahn waren noch vorhanden. Ihr zu einer Mumie einbalsamierter Leichnam war verschwunden. Zudem hatte ihr Nachfolger, ihr Neffe Thutmosis III. versucht, alle steinernen Zeugnisse von ihr auszulöschen. Somit waren alle Zutaten für eine spannende Kriminalgeschichte gegeben. Allerdings waren nach 3500 Jahren schon viele Tatortspuren verwischt.

Wie ein Kriminalroman

Liegt ein Verbrechen vor? Starb sie etwa keines natürlichen Todes? Einer der Hauptkommissare, bei der Aufklärung des "Falles Hatschepsut" war der in Viernheim lebende Ägyptologe Michael Höveler-Müller. Zur Eröffnung seiner Fotoausstellung "Ägypten-Stadt-Land-Fluss" in der Kulturscheune hielt er nun einen Lichtbildervortrag mit dem Titel: "Der Hatschepsut-Krimi".

In der Ausstellung werden rund 40 von Höveler-Müller selbst während seines rund fünfjährigen Aufenthaltes in Ägypten fotografierten Bilder präsentiert.

Einblicke in Ausgrabungen

Sie gewähren ausdrucksstarke und selten Einblicke in Ausgrabungen, entführen an berühmte Stätten - wie den Hatschepsut-Tempel und die Pyramiden - zeigen die magische Landschaft des Nils mit seinen palmenbestandenen Ufern und stellen atemberaubende Kulturschätze dar. Als er im Januar 2009 Leiter der Sammlungen des Ägyptischen Museums der Universität Bonn wurde, erlangte er internationale Bekanntheit durch die Entdeckung und Untersuchung des verschlossenen Flakons der Pharaonin Hatschepsut.

Angefangen hat die Geschichte im Jahr 1998, als er Student der Ägyptologie im siebten Semester an der Universität Bonn war. Hier half er als wissenschaftliche Hilfskraft beim Aufbau des neuen Ägyptischen Museums der Universität Bonn mit. Dabei fiel ihm einer kleiner, 3500 Jahre alter Flakon mit der Inschrift des Namens der mächtigsten Herrscherin der antiken Welt in die Hände.

Dieser Flakon hatte einen länglichen Hals und einen kleinen Gefäßbauch mit einem Volumen von rund 10 ml. Das 12 cm hohe Fläschchen aus gebranntem Speckstein muss eine kostbare Ingredienz enthalten haben, die dadurch besonders sparsam dosierbar war.

Nach dem Röntgen und dem vorsichtigen Öffnen sowie der aufwendigen chemischen Analyse der Substanz war klar, dass es sich nicht um ein Parfüm - wie ursprünglich vermutet -sondern um ein stark teerhaltiges Heilöl handelte. Erst im Jahr 2007 wurde anhand von DNA-Analysen und einer Röntgenaufnahme des Kiefers (siehe der fehlende Zahn aus dem Kästlein mit dem Namen der Hatschepsut) die Mumie der Hatschepsut identifiziert. Sie war 1989 im Grab ihrer Amme entdeckt worden und zunächst - da unbekannt - im Grab belassen worden.

Mehrere schwere Krankheiten

Die Untersuchung der Mumie ergab, dass Hatschepsut mit mehreren schweren Krankheiten zu kämpfen hatte: Diabetes, Osteoporose, Arthritis und Schuppenflechte sind nur eine Auswahl der festgestellten Krankheiten. Durch die jahrelange Behandlung des krebserregenden "Heilöls" gegen die Schuppenflechte bekam sie auch noch Hautkrebs, dem sie letztendlich erlegen ist.

Die aufgebotenen Kronzeugen: die Grabfunde, ihr Körper und der Inhalt der des Flakons ergeben nun ein ganz anders Bild der Hatschepsut: Durch die Krönung zur Pharaonin wollte sie die Thronfolge für ihren noch sehr kleinen Neffen Thutmosis III. sichern und somit den Bestand der Dynastie bewahren.

Sie handelte wohl eher aus Liebe und Verantwortungsbewusstsein als aus Herrschsucht. Ihre Politik war umsichtig und klug. Als sie im damals hohen Alter von 50 Jahren schon sehr gebrechlich starb, war Thutmosis III. sehr gut ausgebildet und hatte schon viel Erfahrung sammeln können. Mit dieser spannenden Geschichte, die Michael Höveler-Müller auch in einem Buch niedergeschrieben hat (Das Hatschepsut-Puzzle) hat er den Zuhörern richtig Lust auf die hohe Kultur der alten Ägypter gemacht.

Für diejenige, die dieser weiter nachgehen wollen, gibt er am 20. Januar 2018 einen Kurs zur Entzifferung der Hieroglyphen bei der Volkshochschule Viernheim.

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