Viernheim

Friedrich-Fröbel-Schule Projekttag zum Thema Klimawandel / Schüler und Lehrer ziehen durch die Innenstadt / 15-jährige Nina Martin hält Rede von Balkon

„Hinterfragt euren Konsum“

Viernheim.„Liebe Eltern, ihr könntet einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem ihr eure Kinder nicht jeden Tag mit dem Auto zur Schule fahrt“, ruft Nina Martin. Dafür erntet sie viel Beifall von ihren Zuhörern. Die 15-Jährige steht auf dem Balkon des Kunsthauses und hält eine Rede. Vor ihr versammelt sind mehrere hundert Schüler und zahlreiche Lehrer der Friedrich-Fröbel-Schule.

Im Rahmen eines Projekttages, der sich mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, sind sie am Freitag gemeinsam von der Schule in die Innenstadt gezogen. Während sich die Teilnehmer vor dem Kunsthaus aufstellen und auf Martins Rede warten, wiederholen einige Grundschüler fast mantraartig Forderungen nach einer anderen Klimapolitik. Mehrere Schüler der Mittelstufe nutzen die Zeit dagegen, um herumzualbern und sich gegenseitig zu schubsen.

Manche Teilnehmer haben Plakate mitgebracht, auf denen es unter anderem heißt: „Zukunft? Ganz dünnes Eis!“, „Advent, Advent, die Erde brennt“ oder „Rettet die Eisbären.“ Passend dazu stimmen auf das Signal ihrer Lehrer Schüler der unteren Klassen das Kinderlied „Ich möchte kein Eisbär mehr sein“ an. Darin heißt es unter anderem: „Die Erde wird wärmer und wärmer. Meine Scholle ist längst schon viel zu klein. Wann begreift ihr das?“ Vom Balkon aus begleiten die Lehrer Christoph Wunderle und Adam Zientek die Schüler auf der Gitarre.

„Viernheim ist eine Brundtlandstadt, das heißt so viel wie ,Energiesparstadt’“, erklärt Martin dann in ihrer Rede. Zwar setze sich die Stadt besonders für den Klimaschutz ein. Es bleibe aber trotzdem noch viel zu tun. So gebe es etwa in der Innenstadt zu wenige Pflanzen, die Insekten Lebensraum bieten und Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln könnten. Jeder habe jedoch die Möglichkeit, etwas für das Klima tun. „Ich möchte, dass ihr euren Konsum hinterfragt“, sagt Martin und nennt konkrete Beispiele: „Müssen wir jeden Tag Fleisch essen? Müssen wir im Urlaub immer wegfliegen?“ Auch für diese Aussagen bekommt Martin viel Applaus.

Nach ihr ergreift Schulleiter Markus Taube das Wort. „Das Thema Klimawandel wird zur Jugendsache“, erklärt er. Es sei gut, dass Kinder und Jugendliche versuchten, die Politik zum Handeln zu bewegen.

Licht ausschalten

Sie könnten aber auch selbst etwas tun. „Macht im Kinderzimmer das Licht aus, wenn ihr es verlasst. Sortiert den Müll richtig.“ Generell gelte: „Es ist nicht mein Planet, es ist nicht dein Planet. Es ist unser Planet.“

Neben den Teilnehmern von der Fröbelschule steht auch eine kleine Gruppe von Schülern und Lehrern der Albertus-Magnus-Schule (AMS) vor dem Kunsthaus. Die meisten von ihnen engagieren sich im Gremium „AMS For Future“, erklärt Schulsprecherin Teuta Miftari (17) im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen.“ Die Veranstaltung habe ihnen sehr gut gefallen „Es müsste viel mehr solcher Aktionen geben.“

Martins Rede gelauscht haben auch zwei ehemalige AMS-Schülerinnen. Leonie Bialas studiert Gymnasiallehramt in Mainz. Die 20-Jährige findet Aktionen wie die der Fröbelschule „super wichtig“. Es sei notwendig, Verantwortung an die Schulen zu übertragen, „damit auch schon Kinder lernen, was sie fürs Klima tun können, etwa durch den richtigen Umgang mit Plastik“.

Alina Brand (18), die Grundschullehramt in Heidelberg studiert, findet es gut, dass die Schulen Jugendliche bei deren Protesten unterstützen. „So müssen die Schüler nicht mehr schwänzen, um für besseren Klimaschutz zu demonstrieren.“

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