Viernheim

Tiere Hohe Temperaturen bringen Jungvögel in Gefahr / Brutpaar findet ausreichend Nahrung

Hitze setzt Mauerseglern zu

Archivartikel

Viernheim.Der Kontaktruf der Mauersegler ist unverwechselbar: „Gerade in der Abenddämmerung kann man im Moment häufig ein hohes ,Srii-srii‘ am Himmel über Viernheim hören“, sagt Peter Dresen vom Ortsverband des BUND, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Die Vögel nutzen die Laute zur Kommunikation bei der Jagd – stets auf der Suche nach eiweißreichen Fluginsekten, „der einzigen Nahrung der Mauersegler, die sie direkt in der Luft fangen“, wie Dresen im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“ erklärt.

Und davon brauchen die dunkelbraun bis schwarz gefiederten Zugvögel nicht wenig. Ende April in Viernheim aus Südafrika angekommen, haben die Tiere, die den Schwalben sehr ähnlich sehen, nur ein Ziel bis zum Spätsommer: den Nachwuchs für den Rückflug über das Mittelmeer fitzumachen.

20 000 Insekten pro Tag

Je zwei bis drei Eier legten die Weibchen im Mai, „etwa 20 Tage später schlüpften die Küken. Dann dauert es weitere 40 bis 50 Tage, bis die Jungvögel selbst fliegen können und das Nest verlassen“, verrät Dresen. Bis die aber mit rund 200 Kilometern pro Stunde über den Viernheimer Himmel sausen, brauche es die ein oder andere Flugstunde bei den Eltern. Für das Brutpaar ist die Zeit der Aufzucht sehr anstrengend. Bei guten Bedingungen schaffen die zwei Mauersegler täglich bis zu 50 Gramm Futter für ihre Küken herbei. Eine Menge, die etwa 20 000 Insekten entspricht. „Und die Bedingungen sind gut, das warme Wetter sorgt für viele Insekten“, erklärt der Experte vom BUND.

Jedoch birgt die Hitze eine andere Gefahr für die jungen Mauersegler. In ihren Höhlen und Mauerlöchern – häufig auch unter den Dächern der Stadt – wird es sehr warm. „Um dem Hitzetod zu entgehen, stürzen sich die Vögel dann aus dem Nest“, sagt Dresen und erinnert sich an den Juli 2015 zurück.

Viele geschwächte und verletzte Nestlinge seien damals zum Viernheimer Vogelpark gebracht und dort von einem Helferteam so lange aufgepäppelt worden, bis sie in die Freiheit entlassen werden konnten. „Eine sehr mühsame und aufopferungsvolle Arbeit, die immerhin 14 jungen Mauerseglern das Leben rettete“, betont Dresen.

Schwalben fliehen aus Nestern

„Aber dafür reichen heute unsere Kapazitäten nicht mehr aus, die Manpower haben wir nicht“, sagt Dirk Faltermann vom Vogelpark. Am vergangenen Sonntag seien bereits zwei junge Schwalben aus ihren dortigen Nestern geflohen. „Aber in der Stadt gefundenen Wildvögeln können wir nicht helfen, auch wegen der Ansteckungsgefahr mit der Vogelgrippe“, bedauert Faltermann. Da gehe der Schutz der eigenen Tiere vor. Faltermann und Dresen verweisen im Ernstfall deshalb auf die Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main, die auf die Rettung der Vögel spezialisiert ist. Dort seien die Tiere in den besten Händen. cao

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