Viernheim

CdG Prinzessin Selina I. gibt ihre „Regierungserklärung“ ab

„Höhlenmalerei in der Tiefgarage“

Archivartikel

Viernheim.Sie gehören zur Tradition der fünften Jahreszeit – die närrischen Paragrafen der Fastnachtsprinzessinnen. Beim Stadtempfang im Ratssaal gab Selina I., Prinzessin des Clubs der Gemütlichen (CdG), ihre „Regierungserklärung“ ab.

§ 1: Mit dem heutigen Datum wird die gesamte Verantwortung und Durchführung meiner dienstlichen als auch närrischen Verfügungen und Befehle meinem 1. Sekretär, dem Bürgermeister dieser Stadt, Matthias Baaß, sowie dem hohen Ministerium des CdG übertragen. Durch die langjährige Kontrolle unserer Schatzmeisterin zusammen mit dem hohen Ministerium des CdG sind die städtischen Finanzen wieder in einem passablen Zustand. Die zuständigen Ämter werden hiermit für ein Jahr auf Probe in die Eigenständigkeit entlassen.

§ 2: Mit Bedauern mussten die Bürger im letzten Jahr die Schließung der Firma Hofmann zur Kenntnis nehmen. Seit dem 1. Juli 2018 hat sich Viernheim wohl oder übel, vielleicht auch zähneknirschend, dem ZAKB angeschlossen. Nicht nur, dass sich die Viernheimer an die kleinliche Auslegung der Abfuhrbestimmung gewöhnen mussten und müssen, nun steht uns noch eine saftige Gebührenerhöhung ins Haus. Diese war wohl, soweit man journalistischen Recherchen glauben darf, schon vor dem Beitritt Viernheims angedacht. Ein Fall von Neppern, Schleppern, Bauernfängern oder gar arglistiger Täuschung? Ich weise alle Verantwortlichen der Stadt Viernheim an, sich diesen Machenschaften entgegenzustellen und nach Alternativen für Viernheim zu suchen.

§ 3: Ein weiterer Umstand der Schließung der Firma Hofmann ist, dass sich die MSC-Bigband nach einem neuen Proberaum umsehen musste. Sie wurde beim THW fündig und nennt sich nun THW-Bigband. Bei der Sanierung des Rathauses ist so zu planen, dass das gesamte Untergeschoss als Proberaum für Musikgruppen und Einlagerungsort für deren Musikinstrumente genutzt werden kann. Die Räumlichkeiten sind den Gruppen kostenlos zur Verfügung zu stellen, sorgen sie doch mit ihrem Beat für den richtigen Arbeitstakt im dann hoffentlich sanierten Rathaus.

§ 4: Die Parkplatzsituation in Viernheim wird immer schlimmer. Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, dass selbst vor Ausfahrten und Feuerwehrzufahrten geparkt wird. Um die Parkplatzsituation zu entspannen, weise ich an, dass alle Garagen- und Stellplatzbesitzer diese auch zweckgebunden nutzen sollen beziehungsweise diese anderen motorisierten Verkehrsteilnehmern zur Verfügung stellen müssen.

§ 5: Die Unglaublichen und Freunde konnten bei ihrem Ausflug in die Pfalz viel Interessantes über den Weinanbau in der Vergangenheit, aber auch Prognosen für die Zukunft erfahren. Aufgrund der klimatischen Veränderungen verschiebt sich die Grenze des Weinanbaus immer mehr Richtung Norden. In der Vergangenheit gab es in Viernheim den Weinanbau am sonnigen Hang. Da dieses Gebiet inzwischen bebaut ist, lege ich Folgendes fest: Westlich des Alten Lampertheimer Wegs ist ein Weinanbaugebiet einzurichten.

§ 6: Sehr traurig machte uns Karnevalisten im November 2018 die Ankündigung unseres 1. Stadtrates Jens Bolze, nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen, hatte er doch in der Vergangenheit mit so manchem Bolze für einen närrischen Paragrafen gesorgt. Wir Fastnachter vom CdG wünschen Ihnen, lieber Herr Bolze, auf Ihrem beruflichen und privaten Weg alles, alles Gute und mögen die Bolze, die Sie in Viernheim geschossen haben, nicht die letzten in ihrem Leben gewesen sein.

§ 7: Kurz vor Weihnachten konnte man in der lokalen Presse erfahren, dass die Tiefgarage Spitalplatz fertig saniert ist. Die Parkplatzsuche in diesem Teil Viernheims hat sich durch die Aufhebung der Vollsperrung etwas verbessert. Allerdings nur für kurze Zeit. Durch die Ausleuchtung der Garage sind seltsame Zeichen an den Wänden sichtbar geworden. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um prähistorische Höhlenmalerei handelt. Das Senckenberg-Museum Frankfurt hat bereits Interesse an der Erforschung bekundet. Ich weise deshalb an, die Tiefgarage bis zum Abschluss der archäologischen Untersuchungen nur unter äußerster Vorsicht zu nutzen.

§ 8: Ohne Frauen wäre die Fastnacht nicht die Fastnacht, die wir heute feiern. Sie opfern so viele Stunden ihrer Freizeit für ihre eigene Aktivität und unterstützen dazu noch die Familienmitglieder. Um während der Fastnacht ihren Aufgaben gerecht zu werden, opfern die Frauen auch so manchen Euro ihrem Friseur des Vertrauens. Ich ordne deshalb an, dass allen Frauen, die während der Kampagne einen Friseur besuchen und bei Eintreten in den Salon das Prinzessinnenlied singen, ein Preisnachlass von 11,11 Euro zu gewährleisten ist. Alternativ dazu können sie sich Strähnchen in den Vereinsfarben des CdG, grün, rot und gelb, färben lassen.

§ 9: Wir leben in einer ereignisreichen Zeit. Einer Zeit, in der sich Narzissten als Staatspräsidenten etablieren, einer Zeit, in der sich Europa mehr entzweit als vereint, aber auch einer Zeit, in der es uns materiell und sozial noch nie besser ging. In dieser Zeit haben wir uns auf die Fahne geschrieben, unsere Fastnacht als kulturelle Errungenschaft weiter mit Leben zu füllen. Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, sind aufgerufen, uns dabei zu unterstützen. Besuchen sie möglichst alle fastnachtlichen Veranstaltungen der Vereine, insbesondere natürlich die vom CdG. Feiern Sie mit uns ausgelassen die Straßenfastnacht. Den Alltag ein paar Stunden vergessen und mit uns glückliche Stunden voller Frohsinn und Heiterkeit verbringen, das wünschen wir Ihnen und uns! red

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